Datum: 01.04.2006
Quelle: dpunkt Verlag ISBN 3-89864-357-3, EUR 29,--

Fotobearbeitung und Bildgestaltung mit dem GIMP 2 : Arbeitsschritte, Techniken, Werkzeuge / von Klaus Gölker

Digitale Fotografie und digitalisierte Bilder bieten die Möglichkeit, am eigenen PC Bilder nachzubearbeiten und zu gestalten. Die Programme dazu sind in der Regel nicht kostenlos - mit Ausnahme des GIMP, der für alle gängigen Computer-Plattformen Windows, Linux und MacOS erhältlich ist.
Das Buch erklärt die theoretischen Grundbegriffe und zeigt in Form von "Workshops" alle wesentlichen Arbeitstechniken: Die Möglichkeiten zur Verbesserung von Farben, Helligkeit und Kontrast, wie Farbstiche und andere Bildfehler korrigiert oder beschädigte Bilder repariert werden. Sie erfahren, wie Sie mit Ebenen und Masken arbeiten können, lernen, Personen oder Gegenstände im Bild "freizustellen. Freie Collagen oder das Zusammensetzen von Panoramabildern werden erläutert.
Thema auch: die Möglichkeiten, Farbbilder nach Schwarz-Weiß zu konvertieren, nachzubearbeiten und andererseits Graustufenbilder einzufärben und "handkolorierte" Collagen daraus zu erstellen. Das Buch wendet sich an alle, die in die digitale Bildbearbeitung einsteigen möchten, aber auch an Studenten und Profis, welche die Möglichkeiten der digitalen Bildbearbeitung im "Linux-eigenen" Programm dafür kennen lernen möchten. Dabei ist es auf die Bedürfnisse und Wünsche der Lernenden ausgerichtet.

Eine Rezension von Armin Rohnen

In Kapitel 1 „Grundlegendes“ gibt Klaus Gölker eine umfassende Einführung in das vorliegende Buch, das Bildbearbeitungprogramm GIMP 2 sowie zu den Grundbegriffen der digitalen Bildbearbeitung. Das Kapitel ist gut gefüllt mit Informationen und Internetadressen rund um den GIMP und allem was mit EBV (Elektronischer Bild-Verarbeitung) zu tun hat. Obwohl dem Buch eine CD mit den aktuellen Versionen des GIMP für die Betriebssysteme Linux, Windows und Mac OS beigefügt ist, empfiehlt der Autor den Download aus dem Internet.

Der eine oder andere Leser dieses Buches wird bereits gewisse Grundkenntnis in der digitalen Bildbearbeitung haben. Die Informationen im Kapitel „Grundlegendes“ sind auch für dieses Klientel von durchaus großen Nutzen.

Mit Kapitel 2 fangen wir klein an. Der Autor führt in kleinen überschaubaren Schritten in die Fotobearbeitung ein. Für den interessierten und ambitionierten Leser bietet es sich an, den GIMP wie in Kapitel 1 beschrieben zu installieren und die vorgestellten Arbeitsschritte live am Bildschirm durch zu führen. So lassen sich die vorgestellten Techniken am leichtesten nach vollziehen und der Lerneffekt ist am höchsten. So behält auch der Anfänger in dieser Thematik den Überblick, zumal die Funktionsvielfalt des GIMP für Ungeübte schier unüberschaubar ist.

Nach einfachen Beispielen - Bild öffnen, um 90 Grad Drehen, auf ein Standardformat bringen – wird es kniffeliger. Ein Bild aus einer Zeitung wird eingescannt und hat im Rohzustand die üblichen negativen Merkmale. Es ist farblich flau, etwas schief und zeigt ein merkwürdiges Muster (Moiré) auf. Man muss nicht selbst über einen Scanner verfügen, das Bild im Rohzustand ist auf der beigefügten CD enthalten. Jetzt wird Schritt für Schritt aus dem Scan ein ansehnliches Bild. Klaus Gölker zeigt hier was mit wenigen, zielgerichtet eingesetzten Funktionen des Bildbearbeitungsprogrammes GIMP erreicht werden kann. Auf die richtige Abfolge kommt es an. Erst am Ende der Bearbeitung wird man sehen was an Verbesserung möglich ist. So gesehen zeigt das Tutorial bereits nach wenigen Seiten was in ihm steckt.

Nach der Erläuterung der grundlegenden Funktionen zu Kontrast- und Farbanpassung wendet sich der Autor den Retuschearbeiten zu. Einer recht gewichtigen Aufgabe in der EBV. Führen doch nicht selten Farbstiche, rote Augen, Kratzer und Schmutz zur Beeinträchtigung im Bildergebnis. Nach den Erläuterungen zur Beseitigung von Farbstichen und Kratzer/Flecken stellt sich das Tutorial dem Problem der „Roten-Augen-Korrektur“. Dabei erfolgt ein Exkurs in die Technik des Maskierens. Im Übungsbeispiel werden dann auch die roten Augen normalisiert.

Im nächsten Kapitel werden die Aufgaben schon komplexer. Spätestens hier wird auch der erfahrene GIMP Nutzer sich an den Computer setzen müssen um dem Tutorial auch wirklich noch folgen zu können. Das mag umständlich erscheinen, ist aber hier sehr empfehlenswert und erhöht den Nutzen der Lektüre.
Etwas lästig im Lesestoff sind jedoch die Aufzählungen der Funktionen einzelner Menüs des GIMP. Hierfür gibt es eigentlich das Benutzerhandbuch.

Mit Hilfe der Ebenentechnik des GIMP wird nun eine Landschaftsaufnahme mit flauem Himmel aufgepeppt. Dazu wird der Himmel des Originals beseitigt und durch eine blaue Fläche auf der darunter liegenden Ebene ersetzt. Damit das Ganze im späteren Endprodukt nicht sonderlich auffällt, werden die Techniken des weichen Ausschneidens durch Randverläufe und nachträgliches Abwedeln benutzt. Auch weitere Möglichkeiten zur Modellierung eines neuen Himmels bis hin zum Sandwich mit einem „schönen“ Himmel aus einer anderen Aufnahme werden vorgestellt. Aus dem Landschaftsbild wird im Laufe der nächsten Kapitel das Projekt „Osterkarte“. Dabei werden die verfügbaren Text- und Filtermöglichkeiten des GIMP praktisch und anschaulich vorgestellt. Der Leser erhält einen Leitfaden für die Nutzung des Bildbearbeitungsprogramms GIMP. Nachdem das Osterkartenprojekt nach dem Einfügen einiger eingefärbter künstlicher Ostereier abgeschlossen ist, widmen sich die nächsten Seiten der Modellierung von Schattenfall und Lichteffekten gefüllter Rotweingläser. Der Lesestoff bekommt Pfaden und weiteren Filtern eine neue Tiefe. Noch mehr Tips und Tricks für die dreidimensionale Tiefenwirkung folgen postwendend im Kapitel über dreidimensionale Gegenstände. Bevor das Tutorial sich dem Schwarz-Weißen zuwendet werden noch Techniken zum kombinieren mehrerer Aufnahmen von Kollagen bis hin zur Erstellung von Panoramen dargestellt.

Wie aus der Lektüre zu erfahren ist, dient der Graustufenmodus nicht nur künstlerischen Effekten und der Bearbeitung klassischer Schwarz-Weiß Motive, er bietet auch eine Reihe Tools, die für die schwierige und aufwändige Arbeit zum Freistellen bzw. Herauslösen von Portraits hilfreich sind.

Zum guten Schluss werden noch die vielfältigen Möglichkeiten der Kolorierung und Farbverfremdung besprochen.

Wie schreibt der Autor, Klaus Gölker, im Anhang? „ Erst einmal: Gratulation, dass Sie es soweit geschafft und mitgemacht haben“ Dem möchte ich mich anschließen. EBV – elektronische Bildbearbeitung -, oder wie ich es manchmal darzustellen versuche, „das digitale Fotolabor“ ist keine leichte Aufgabe. Die weit verbreitete Annahme, mit EBV sei alles möglich, ohne auf den dafür erforderlichen Aufwand einzugehen, widerlegt diese Lektüre zwar nicht, sie zeigt jedoch auch, daß für ein gutes Endprodukt eine gute Vorlage erforderlich ist.
Wenn man bis zum Ende des vorliegenden Buches vorgedrungen ist, fragt man sich schon, was ist noch „wahr“ am gezeigten Bild. Aber trösten Sie sich, das war zu analogen Zeiten auch schon nicht anders. Nur leichter geworden ist es Dank moderner Software wie „der GIMP“ und Tutorials wie diesem.

Resümee:
Ein Leitfaden, der nicht weit weg vom Computer stehen sollte.

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