Datum: 08.05.2006

Quelle: hrFernsehen


Chinatown am Golden Gate (San Francisco)
Sonntag, 11. Juni 2006, 14:25 Uhr, hrFernsehen. Chinatown am Golden Gate - Emigranten und die Küche der Heimat. Ein buntes chinesisches Tor im Zentrum von San Francisco führt in eine exotische Welt: Chinatown heißt das 24 Häuserblocks große Viertel, in dem Kantonesisch die Hauptsprache ist.
Hinter den Restaurants und Souvenirläden für Touristen liegt eine Welt, die oft mehr zu China als zu Amerika zu gehören scheint. Shirley Fong-Torres führt durch Chinatown. Ihr Vater kam einst als illegaler Einwanderer mit dem falschen Namen Torres - er gab sich als Philippino aus. Doch er machte Karriere, stieg vom Koch zum Restaurantbesitzer auf. Seine Tochter ist Reiseunternehmerin und Autorin von Kochbüchern. Sie führt Touristen in Chinatown ein - und in die chinesische Küche. Der Koch Nei ist ein Meister dieser Küche. Er hat keine Zeit, um viel über sein Schicksal nachzudenken. Seit fast vier Jahren führt er sein Restaurant in Chinatown im Alleingang. Er kauft selbst in den China-Märkten der Stockton Street ein, in denen exotische Gerüche und fremdländische Klänge die Besucher betören. Hier sind Kantonesisch und Mandarin die Hauptsprachen - und Küchenchef Nei kann noch immer kein Englisch. Sein 16-jähriger Sohn muss nach der Schule die Bedienung im Restaurant übernehmen. Nei liebt in Amerika die Freiheit und den guten Verdienst - doch Reichtum hat er in San Francisco noch nicht gefunden. Den fand Cecilia Chiang, die vor drei Jahrzehnten nach San Francisco kam und hier ein Restaurant eröffnete. Sie wurde zur gastronomischen Pionierin, als sie in ihrem Restaurant The Mandarin nur authentische chinesische Regionalküche anbot. Cecilia Chiang legte den Grundstein - heute ist San Francisco berühmt für seine chinesische Küche. Diese Menschen trugen viel dazu bei, dass Amerika zu einem farbenfrohen Mosaik von Völkern wurde. Heute leben fast eine Million Chinesen in Kalifornien, über die Hälfte davon an der Bucht von San Francisco. Sie sind eine dynamische Minderheit - doch ihre Geschichte ist den meisten Amerikanern unbekannt. Für die Chinesen ist die Gastronomie vor allem ein Mittel, um die Kultur ihrer Vorfahren wach zu halten. Das Essen ist Teil der Identität eines Menschen, so wie die Sprache, meint etwa die Journalistin und Köchin Olivia Wu, die vor über dreißig Jahren als Teenager nach Amerika kam. Sie hat Erfolg als Küchenchefin im Fernsehen und als Kritikerin der angesehenen Tageszeitung San Francisco Chronicle. Doch sie hört nie auf, über ihre Identität als Einwanderer nachzudenken: "Bindung ist, wie Buddha sagen würde, vergänglich. Wichtig ist die Wandlung".



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