Rezension: Welterbe Dresdner Elbtal / Info UNESCO
Am 7. Juli 2004 wurde das Dresdner Elbtal zum Erbe der Menschheit erklärt. Matthias Lerm, gelernter Architekt und heutiger Referent für nachhaltige Entwicklung in Dresden und Hans Strehlow (freier Fotograf), zwei Autoren, die erkennbar ihre enge Verbindung und ihr Engagement für Dresden vertreten, präsentieren unter dem Titel "Welterbe Dresdner Elbtal" einen informativen Bildband, der eine der schönsten Landstriche in Deutschland ausführlich beschreibt und facettenreich ablichtet. Lerm und Strehlow spannen einen weiten, mit vielen Fakten gespickten, kulturgeschichtlichen Bogen vom Mittelalter bis in die Gegenwart hinein. Anhand einer Umgebungskarte würde es dem ortsunkundigen Leser allderdings etwas leichter fallen, sich zu orientieren, um dem etwas dichtgepackten Stoff auf 69 Seiten zu folgen. Lerm erläutert, was der Titel "Welterbe" für Dresden und seinen Tourismus bedeutet. Nicht nur, dass hohe Erwartungen und Bewertungsstandards an den Welttitel geknüpft sind, so wird es zum Glück mit diesem Titel, gerade in Zeiten knapper Kassen für Kulturausgaben, etwas einfacher sein, die Erhaltung und Pflege des Welterbes zu sichern. Fast 800 Baudenkmäler umfasst die Kultur- und Naturlandschaft Dresdener Elbtal, darunter zahlreiche Schlösser und Parkanlagen entlang der Elbe, die geschützt werden müssen, um die Geschichte und Schönheit dieser Region für die nachfolgenden Generationen zu erhalten. Lerm beschreibt das Dresdener Elbtal als eine der artenreichsten städtischen Regionen Deutschlands und dies trage maßgeblich zu einer hohen Lebensqualität in Dresden bei. So ist es u.a. auch engagierten Denkmalpflegern zu verdanken, dass in der DDR-Zeit vernachlässigte Wohnhäuser, Villen, Industrie- und Verkehrsbauten sowie Kirchen in Dresden und im umliegenden Elbtal vor dem Abriss gerettet wurden. Heute ist die Region Naherholungsgebiet für Dresden und zieht seit Jahren zunehmend Touristen an, die die vielen sehenswerten Kultur- und Naturdenkmäler per Auto, Rad zu Fuß oder an Bord eines historischen Schaufelraddampfers auf der Elbe erkunden. Obwohl man es kaum vermutet, wird an den weiten Hängen des 20 Kilometer langen Elbtals Wein in bester Lage angebaut. Der Besucher kann sich davon bei zahlreich angebotenen Weinproben in Weinkellern, Winzerstuben und Weinschulen überzeugen. Weiterhin müssen zahlreiche Anstrengungen unternommen werden, dem Welterbetitel auf Dauer gerecht zu werden und die Attraktivität der Region Elbtal zu steigern und man wird darauf zu achten, dass die regionale Stadtentwicklung nicht durch Fehlentwicklungen gefährdet wird. Doch hierauf haben die UNESCO und die Stadt Dresden ein waches Auge, damit das bevorstehende Stadtjubiläum einen weiteren Meilenstein im Sinne des Weltkulturerbes erfährt. Im Großen und Ganzen ist den Autoren, die sich wohl in Dresden und Umgebung wie in ihrer eigenen Westentasche auskennen, ein mitunter kurzweiliges Buch gelungen, das dem Leser einen ersten Eindruck vermittelt, was mit der Auszeichnung "Weltkulturerbe" verbunden ist und man daneben eine Menge Geschichte wiederentdeckt, die man in der Schule vor vielen Jahren irgendwo liegen gelassen hat.
Welterbe Dresdner Elbtal, Matthias Lerm, Hans Strehlow, Hirnstorff Verlag GmbH, Rostock, 63 Seiten, ISBN 3-356-01120-0, 14,-- Euro, Je 1 Euro des Verkaufspreises kommt dem Stiftungsfonds UNESCO-Welbterbe Dresdner Elbtal zugute.
Weitere Informationen zu Dresden können bei der Dresden-Werbung und Tourismus GmbH, Ostra-Allee 11, 01067 Dresden, Tel. 0351-49192100, www.dresden-tourist.de angefordert werden; Fachführungen: igeltour Dresden, Pulsnitzer Straße 10, 01099 Dresden, Tel. 0351-8044557, www.igeltour-dresden.de

Auszug aus der Website der UNESCO zum Thema Weltkulturerbe (www.unesco.de):
Die Aufgabe der UNESCO ist es, die Kultur- und Naturgüter der Menschheit, die einen "außergewöhnlich universellen Wert" besitzen, zu erhalten. 812 Stätten weltweit sind auf der UNESCO-Liste des Welterbes verzeichnet. Zum Kulturerbe gehören Baudenkmäler, Städteensembles und Kulturlandschaften, aber auch Industriedenkmäler und Kunstwerke wie Felsbilder. Das Naturerbe umfasst geologische Formationen, Fossilienfundstätten, Naturlandschaften und Schutzreservate von Tieren und Pflanzen, die vom Aussterben bedroht sind. Wann ist ein Erbe ein Welterbe? 1972 hat die UNESCO das "Internationale Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt" verabschiedet. Inzwischen haben es 180 Staaten unterzeichnet. Es ist das international bedeutendste Instrument, das jemals von der Völkergemeinschaft zum Schutz ihres kulturellen und natürlichen Erbes beschlossen wurde. Ob die Tempel von Abu Simbel, die Ruinen des griechischen Olympia, die Altstadt von Bamberg, der Tower von London oder der kanadische Nationalpark Wood Buffalo - die menschlichen Kulturleistungen und die Naturphänomene sind einzigartig und schützenswert. Das Konzept: Die Verantwortung für den Schutz eines Kultur- oder Naturgutes, das einen "außergewöhnlichen universellen Wert" besitzt, liegt nicht allein in der Hand des jeweiligen Staates; vielmehr fällt er unter die Obhut der gesamten Menschheit. Ein eigens von der UNESCO eingerichtetes zwischenstaatliches Komitee prüft jährlich, welche Stätten neu in die "Liste des Welterbes" aufgenommen werden. Das Welterbekomitee prüft, ob die von den Mitgliedstaaten vorgeschlagenen Stätten die in der Welterbekonvention festgelegten Kriterien erfüllen.Hierzu zählen das Kriterium der "Einzigartigkeit" und der "Authentizität" (historische Echtheit) eines Kulturdenkmals oder der "Integrität" einer Naturerbestätte. Neben dem aktuellen "Erhaltungszustand" muss auch ein überzeugender Erhaltungsplan vorgelegt werden. 812 Kultur- und Naturerbestätten aus 137 Staaten aller Kontinente haben die Voraussetzungen für die Aufnahme in die UNESCO-Liste bislang erfüllt. Gegenüber 628 Kulturdenkmälern ist das Naturerbe mit 160 Eintragungen unterrepräsentiert. 24 Denkmäler gehören sowohl dem Kultur- als auch dem Naturerbe an.
Die Bundesrepublik Deutschland verzeichnet insgesamt 31 Denkmäler in der Welterbeliste (in Klammern das Jahr der Aufnahme):
1. Aachener Dom (1978), 2. Speyerer Dom (1981), 3. Würzburger Residenz (1981), 4. Wallfahrtskirche "Die Wies" (1983), 5. Schlösser Augustusburg und Falkenlust in Brühl (1984), 6. Dom und Michaeliskirche von Hildesheim (1985), 7. Römische Baudenkmäler, Dom und Liebfrauenkirche in Trier (1986), 8. Hansestadt Lübeck (1987), 9. Schlösser und Parks von Potsdam-Sanssouci und Berlin (Glienicke und Pfaueninsel) (1990); 1999 um 14 Denkmalbereiche erweitert (u.a. Schloss und Park Lindstedt, Russische Kolonie Alexandrowska, Pfingstberg und Belvedere), 10. Ehemalige Benediktiner-Abtei Lorsch mit ehem. Kloster Altenmünster (1991), 11. Bergwerk Rammelsberg und Altstadt von Goslar (1992), 12. Altstadt von Bamberg (1993), 13. Kloster Maulbronn (1993), 14. Stiftskirche, Schloss und Altstadt von Quedlinburg (1994), 15. Völklinger Hütte (1994), 16. Fossilienlagerstätte Grube Messel (1995), 17. Das Bauhaus und seine Stätten in Weimar und Dessau (1996), 18. Kölner Dom (1996), 19. Luthergedenkstätten in Eisleben und Wittenberg (1996), 20. Klassisches Weimar (1998), 21. Wartburg (1999), 22. Berliner Museumsinsel (1999), 23. Gartenreich Dessau-Wörlitz (2000), 24. Klosterinsel Reichenau im Bodensee (2000), 25. Industriekomplex Zeche Zollverein in Essen (2001), 26. Altstädte von Stralsund und Wismar (2002), 27. Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal (2002), 28. Elbtal in Dresden (2004), 29. Rathaus und Rolandstatue in Bremen (2004), 30. Muskauer Park (2004), 31. "Grenzen des Römischen Imperiums": Der obergermanisch-rätische Limes (2005)
Kulturlandschaften sind aus der Wechselwirkung von Mensch und Natur entstanden. Das Welterbekomitee unterscheidet drei Arten: durch Menschen bewusst konzipierte und geschaffene Landschaften (wie zum Beispiel die Gärten in Versailles), Landschaften, in denen Menschen aufgrund ihrer Arbeit Charakteristisches geleistet haben (die Reisterrassen Asiens), und Landschaften, die sich durch religiöse, spirituelle oder geschichtliche Werte auszeichnen (das Bergland von Tongariro, Neuseeland, mit seiner religiösen und kulturellen Bedeutung für die Maori).
1992 wurde das UNESCO-Zentrum für die Erhaltung des Erbes der Menschheit gegründet, kurz "Welterbezentrum" genannt. Es ist das ständige Sekretariat des Welterbekomitees und hat seinen Sitz in Paris. Ziel des Welterbezentrums ist es, die internationale Zusammenarbeit für einen wirksamen Schutz des Natur- und Kulturerbes zu fördern und zu intensivieren. Welterbestätten, die besonders gefährdet sind, werden nach Artikel 11 der Welterbekonvention in einer "Liste des Welterbes in Gefahr" geführt. Es handelt sich um Güter, die durch Natur- und sonstige Katastrophen, Krieg, städtebauliche Vorhaben oder private Großvorhaben ernsthaft bedroht sind. Für ihren Erhalt sind umfangreiche Maßnahmen notwendig. Die "Rote Liste" umfasst derzeit 33 Kultur- und Naturstätten, unter anderem die Altstadt von Jerusalem, das Bamiyan-Tal in Afghanistan und den Nationalpark Everglades in den USA.
Das Welterbezentrum der UNESCO bietet ausführliche Informationen (englisch/ französisch) zum Welterbe und eine Kurzbeschreibung zu allen Welterbestätten im Internet an: http://www.unesco.org/whc/index.html. Die Homepage der Deutschen UNESCO-Kommission enthält ausführliche deutschsprachige Informationen zum UNESCO-Welterbe: die Liste des Welterbes, die "Rote Liste" des gefährdeten Welterbes, Kurzbeschreibungen der 31 Welterbestätten in Deutschland, Dokumente und aktuelle Beiträge zum Thema aus UNESCO heute, der Zeitschrift der Deutschen UNESCO-Kommission. Homepage: http://www.unesco.de. Weitere Informationen zu den deutschen Welterbestätten bietet auch der Verein UNESCO-Welterbestätten Deutschland e.V.: http://www.unesco-welterbe.de


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