Below, Standort des Gutshauses Below. Foto: Helgard Below

Gutshaus Below: barockes Fachwerk-Kleinod von 1680. Foto: Helgard Below

Gutshaus Below: Laura la Risa tanzt Flamenco. Foto: Helgard Below

3-Königinnen-Palais auf der Schlossinseln Mirow. Foto: Helgard Below

Fürstengruft der Herzöge von Mecklenburg-Strelitz in der Kirche auf der Schlossinsel Mirow. Foto: Helgard Below

Schloss Retzow, der Innenausbau soll Ende 2015 fertig sein. Foto: Helgard Below

Romantik Hotel Gutshaus Ludorf. Foto: Helgard Below

Gutshaus Below: Festsaal mit Holzvertäfelung. Foto: Helgard Below

Achteckige Dorfkirche von Ludow. Foto: Helgard Below

Barocksaal im Gutshaus Ludow mit Deckenmalereien. Foto: Helgard Below


Allgemeine Informationen zur MittsommerRemise:
www.mittsommer-remise.de.

Anreise:
ohne eigenes Auto z.B. mit dem Shuttle-Service der Agentur Sphinx oder bei Rux Reisen Rostock eine Harley-Davidson für eine Spritztour mieten.

Übernachtung:
Gutshaus Below, www.gutshausbelow.de.
Romantik Hotel Gutshaus Ludow, www.gutshaus-ludorf.de.
Biohotel Gut Gremmelin, www.gutgremmelin.de.



FineArtReisen® Artikel Nr. 160191 vom 11.10.2015 letze Aktualisierung am 11.10.2015


MittsommerRemise: Schlössernacht in Mecklenburg-Vorpommern

Seit 2008 öffnen viele 40 Guts- und Herrenhäuser Mecklenburg-Vorpommerns ein mal im Jahr zu Mittsommer ihre Türen. Bei der MittsommerRemise geben sie Einblick in herrschaftliche Gemächer, Gutsküchen, Kirchen mit Erbbegräbnis, Baustellen und das alltägliche Leben im Herrenhaus. Der charmante Empfang durch die Besitzer, ob begüterte Hoteleigner oder Städter mit großen Visionen, Konzerte, Flamenco, Wein und Snacks versüßen die Landpartie von Schloss zu Schloss. Und wer zudem auf den Spuren des eigenen Namens wandelt, erlebt bestimmt etwas.

Carlos el Canario stimmt die spanische Gitarre an und Laura la Risa wirft energisch ihren Rock mit den vielen Volants von links nach rechts. Dabei stampft sie einen Stakkato-Rhythmus in den Boden, als würde sie mit ihren hohen Absätzen trommeln. Nach vielen wilden Drehungen streckt sie in der Schlusspose die Hände in die Luft und die Zuschauer klatschen und jubeln. Ich sitze unter ihnen in dieser lauen Mittsommernacht auf einer Bank im Park, trinke Rotwein und esse Tapas und dampfende Paella. Und dennoch bin ich nicht auf Besuch in Spanien sondern in der Mecklenburgischen Seenplatte.

Mit über 2000 herrschaftlichen Wohnsitzen ist Mecklenburg-Vorpommern das Land der Schlösser und Gutshäuser. Von italienischem Palazzo, dänischer Klinkerrenaissance, Rokokotraum bis Barockresidenz, da ist für jeden Geschmack etwas dabei. Seit 2008 öffnen bis zu 40 Guts- und Herrenhäuser Mecklenburg-Vorpommerns ein mal im Jahr zur MittsommerRemise ihre Türen. Sie geben Einblick in herrschaftliche Gemächer, Gutsküchen, Kirchen mit Erbbegräbnis, Baustellen und das alltägliche Leben im Herrenhaus. Der charmante Empfang durch die Besitzer, ob begüterte Hoteleigner oder Städter mit großen Visionen, Konzerte, Wein und Snacks versüßen die Landpartie von Schloss zu Schloss.

Im Gutshaus Below wird zur spanischen Nacht im Gutspark sogar Flamenco dargeboten. Wolfram und Sylke Klemm hat es aus Berlin hierher verschlagen, sie haben das verfallende barocke Fachwerk-Kleinod von 1680 gekauft und wundervoll in Stand gesetzt. "Wo irgend möglich, haben wir die alte Bausubstanz erhalten und sogar Dielen geflickt. Die gusseisernen Heizkörper, die frei stehende Badewanne und die Fliesen sind zwar neu, aber nach alten Vorbildern gefertigt. Dafür haben wir den Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege bekommen", erzählt Wolfram Klemm bei seiner Hausführung, die in der gemütlichen Gutsküche endet. Neben ihrer eigenen sind zwei historisch möblierte Ferienwohnungen und eine Naturheilpraxis entstanden und der holzvertäfelte Festsaal mit Kristalllüster lädt auch an anderen Tagen zum Feiern ein. So helfen sie, wie viele andere alte und neue Schlossherren, uralten Gemäuern und ländlichen Gegenden wieder Leben einzuhauchen.

Im klassizistisch-weißen Schloss Retzow südlich der Müritz kann ich den Baufortschritt sogar selbst begutachten. Es riecht nach Farbe, die Wände der herrlich hellen, hohen Räume sind frisch mit Lehm verputzt, Stuck, Holztreppen und Parkett werden restauriert, gegenüber stehen Plattenbauten. Es soll etwa Ende 2015 fertig saniert sein und großen, landadligen Festen dienen. Im nahen Romantik Hotel Gutshaus Ludorf auf einer Halbinsel im Müritzsee werden schon seit 1999 Gäste empfangen. Sogar Angela Merkel hat hinter den über 300jährigen Fassaden im Stil der dänischen Klinkerrenaissance mal ein Familienfest gefeiert. Dennoch führt Besitzer Manfred Achtenhagen an diesem Abend Neugierige an Hotelgästen vorbei durch die gediegene Bibliothek in den Barocksaal, dessen Holzdecke mit seltenen Gemälden verziert ist. Jagdszenen, Engelchen und Pflanzenornamente, wie auf Schiffsplanken gemalt.

Gleich neben dem Hotel steht die ungewöhnliche Dorfkirche. "Sie wurde im 12. Jahrhundert von Kreuzritter Wipert von Morin erbaut und ist der Grabeskirche von Jerusalem nachempfunden und daher achteckig", sagt Achtenhagen und schließt mit einem großen Schlüssel das kleine Gotteshaus auf. "Das ist einzigartig in Norddeutschland"! Hinter einer schmiedeeisernen Tür unter den Familienwappen an der Wand verbirgt sich eine weitere Attraktion. In der versteckten Nische stapeln sich die kunstvoll geschnitzten Särge des örtlichen Landadels. Es ist die Familiengruft des Geschlechts von Knuth, der früheren Herren und Erbauer des Gutshauses Ludorf.

Auf der Schlossinsel Mirow waren noch viel höher gestellte Herrschaften zu Hause. Bei einer Inselführung erkunde ich den Witwensitz und die Fürstengruft der Herzöge von Mecklenburg-Strelitz. Im kleinen Rokoko-Schloss wurden Prinzessin Sophie-Charlotte, spätere Königin von Großbritannien, und der Vater der späteren Königinnen Louise von Preußen und ihrer Schwester Friederike von Hannover geboren. Ein 3-Königinnen-Palais, das heute Museum ist, mit Blick auf den Mirower See und eine Liebesinsel. Über eine geschwungene Brücke spaziere ich auf das Miniatur-Eiland zum Grab von Großherzog Adolf Friedrich VI., das er selbst entworfenen hat. Der letzte Regent aus dem Hause Mecklenburg-Strelitz starb vermutlich durch die eigene Hand. Um seinen Freitod ranken sich viele Legenden, mal war er homosexuell, dann hatte er mehreren Frauen die Ehe versprochen oder er spionierte für England.

Um meine Herkunft ranken sich keine Legenden, und dennoch habe ich mich aus einem besonderen Grund für den Besuch im Gutshaus Below entschieden. Als ich es unter den teilnehmenden Häusern der MittsommerRemise entdeckte, hoffte ich, vielleicht auf adlige Verwandtschaft zu stoßen. Schließlich trage ich den gleichen Nachnamen und weiß nicht, woher er kommt. Wäre doch toll, einen Gutsherren, Fürsten oder sogar eine Prinzessin unter den Ahnen zu haben! Schon auf der Hinfahrt entdecke ich durch Zufall zwei Örtchen mit Namen Below, biege spontan von der Landstraße ab und lasse mich, teils bei strömendem Regen, vor den Ortsschildern fotografieren.

Um so mehr bin ich gespannt auf die Geschichte des Gutshauses Below - und werde enttäuscht. Es war Graf von Knuth, der Gutsherr von Ludorf, des heutigen Hotels, das ich vorhin schon besichtigt habe, der 1680 mit dem barocken Fachwerkbau begann. Und das Gutshaus heißt nicht nach seinem Erbauer oder Besitzer, etwa einem Grafen Below, der ein Vorfahre sein könnte, sondern nach dem Dorf, in dem es steht. Aber eins erfahre ich noch: der Ortsname kommt vermutlich aus dem slawischen, wo es viele "ow"-Endungen gibt. Im Internet werde ich im Nachhinein doch noch fündig. Es gab um das Jahr 1200 einen Ritter Nicolaus de Below und ein mecklenburg-pommersches Adelsgeschlecht Below mit einem Stammhaus in Bälau bei Mölln in Schleswig-Holstein, und später einem Stammhaus in Below zwischen Schwerin und der Müritz. Dort gibt es auch ein Gutshaus. Grund für eine weitere Recherchereise auf den Spuren meines Namens.

Text: Helgard Below




Helgard Below
Helgard Below, geboren 1968 in Hamburg, arbeitet als Reise- und Gartenjournalistin und Fotoredakteurin. Nach dem Studium der Kulturwissenschaften mit den Schwerpunkten Ökologie und Geographie in Lüneburg ist sie wieder in ihre Heimatstadt zurückgekehrt, doch zieht es sie jedes Jahr mehrmals in die Ferne. Sie liebt Reisen und Abenteuer an den exotischen Zielen dieser Erde, speziell in Australien, Südostasien, der arabischen Welt, der Karibik und Afrika. In Europa hat sie sich vor allem auf Frankreich und Spanien spezialisiert, lässt sich aber auch gerne der deutschen Küste, irischen Gärten oder dänische Inseln überraschen und verzaubern. Als studierte Kulturwissenschaftlerin ist das Eintauchen in die Kultur der Einheimischen und in die Natur anderer Länder ihre Spezialität. Auf all ihren Ausflügen wird sie von mindestens einem Fotoapparat begleitet. Schon als Kind drückte ihr ihr Vater im Urlaub seine Spiegelreflexkamera in die Hand. Seitdem ist das Reisen für sie untrennbar mit dem Fotografieren verbunden. [lesen Sie hier weiter]





Datenschutzerklärung

FineArtReisen nimmt den Schutz Ihrer persönlichen Daten sehr ernst und hält sich strikt an die Regeln der Datenschutzgesetze. Personenbezogene Daten auf dieser Webseite werden nur im technisch notwendigen Umfang und im Zusammenhang mit den von Ihnen übermittelten Kommentaren erhoben. In keinem Fall werden die erhobenen Daten verkauft oder aus anderen Gründen an Dritte weitergegeben.

FineArtReisen erhebt und speichert automatisch im Falle des von Ihnen abgegebenen Kommentars die Einträge aus obigen Formular, die IP-Adresse des von Ihnen benutzten Rechners sowie die Uhrzeit der Übermittlung. Diese Daten können unter Zuhilfenahme anderer Datenquellen bestimmten Personen zugeordnet werden. Eine Zusammenführung dieser Daten mit anderen Datenquellen wird seitens FineArtReisen nicht vorgenommen.



Mein Kommentar soll gespeichert und veröffentlicht werden.
Hierzu erkläre ich mein Einverständnis zur Datenschutzerklärung.





Impressum

Copyright © by FineArtReisen. Die Urheberrechte der vorliegenden Publikation liegen, soweit nicht durch Autorennennung, Quellennachweis oder Bildunterschriften anderweitig angezeigt, bei FineArtReisen. Die Verwendung der Texte und Abbildungen, auch auszugsweise, bedarf der schriftlichen Zustimmung des Rechteinhabers. FineArtReisen ist ein eingetragenes Markenzeichen beim DPMA (Deutsches Patent- und Markenamt). All rights reserved!

Anzeigen

 
 
 
AdVert (Content - Werbung)