FineArtReisen® Artikel Nr. 161128 vom 29.10.2015
Quelle: Stadt Augsburg

Lab30: Klingende Kreisel, musik aus licht und akustische Zeitmaschinen

Das 14. Augsburger Kunstlabor präsentiert eine internationale Medienkunstausstellung und ein hochkarätiges Performance-programm – erstmals auch in der Kirche St. Thaddäus

Absolut einzigartig ist es im süddeutschen Raum, das lab30 Festival im Augsburger Kulturhaus abraxas. Neben Sound-Bastlern, Medienkunst-Experten und Computer-Nerds gehören mittlerweile auch Familien und Kunstinteressierte zum Stammpublikum. Die interaktive Ausstellung präsentiert in diesem Jahr 17 Exponate, im Live-Programm tummeln sich KünstlerInnen aus ganz Europa und Kanada. Ein besonderer Höhepunkt konnte durch die Zusammenarbeit mit der Kirche St. Thaddäus realisiert werden. Hier präsentiert der tschechische Klangkünstler Michael Rataj an zwei Abenden seine „Missa abstracta“. Und im lab30-Club im Nordflügel des abraxas kann man die drei Festivalabende in bester Tanz-Atmosphäre ausklingen lassen.

Technoid und Bildstark – das lab30-Liveprogramm 2015
Wahrhaftig atemberaubend ist gleich das erste Konzert des diesjährigen Kunstlabors: Die Kanadierin Myriam Bleau präsentiert zur Eröffnung des Festivals ihr neuestes Projekt „Soft Revolvers“, eine Performance mit vier technoid klingenden Acryl-Kreiseln, die im Zusammenspiel mit LED-Lämpchen verblüffende Leuchtringe und ein audiovisuelles Gesamtkunstwerk entstehen lassen, das bereits auf der Transmediale in Berlin und bei der ars electronica in Linz gefeiert wurde.

International renommiert ist auch der zweite Künstler am Eröffnungsabend, Yuri Landman (NL), der seit über zehn Jahren innovative, unkonventionelle Gitarren baut und beim lab30 in zwei Solo-Shows auf eigens angefertigten Instrumenten aus Holz, Saiten, Metallstangen und Elektromotoren spielt. Selbst Hand angelegt hat ebenso der britische Klangkünstler Leafcutter John, der - passend zum UNESCO Jahr des Lichts – ein Instrumentarium entwickelt hat, das er mit einer Taschenlampe ansteuert und so jede Leucht-Geste in Musik übersetzt. Die intime Atmosphäre im Nordflügel bietet den Rahmen für eine Weltpremiere am Eröffnungsabend: Hier stellt der Kölner Instrumenten-Erfinder Andreas Oskar Hirsch sein „Carbophon“ vor, ein Zupfinstrument aus Carbonstäben.

Der Freitagabend wird von dem Franzosen Alex Augier eingeläutet, der in seiner audiovisuellen Performance „oqpo_oooo“ digitale Daten entschlüsselt und in eine klare, einfache Formsprache im realen Raum übersetzt. Ein großer Würfel wird dafür zur Projektionsfläche und erlaubt räumliche Illusionen, die in einem schwarz-weißen Minimal-Erlebnis münden. Datenströme erfahrbar machen wollen auch die beiden Augsburger Stefanie Sixt und Markus Mehr, die mit ihrem Projekt „Re-Directed“ der Frage nach dem Verlust der Selbstbestimmung im digitalen Zeitalter mit Bild und Ton nachgehen.

Ruhigere Töne schlägt der tschechische Komponist und Musiker Michal Rataj an, dessen Konzert den Auftakt zur Zusammenarbeit des lab30 mit der benachbarten Kirche St. Thaddäus bildet. Fast ein Jahrzehnt lang hat Rataj Kirchenräume in ganz Europa und den USA akustisch dokumentiert. Aus diesem einzigartigen Archiv speist er seine „Missa abstracta“. Dabei stehen jedoch nicht die Rituale und Gebete im Vordergrund, vielmehr macht Rataj die Geräusche abseits der kultischen Handlungen hörbar: Quietschende Türen, das Knarren von Sitzbänken und das Klingeln im Spendenkörbchen intonieren gemeinsam mit Live-Musik dieses besondere Konzert, das an zwei Abenden zu hören ist.

Mit Collagen bildlicher Art arbeitet der französische Künstler Yro, der am Samstagabend im abraxas-Theater einen Film in Echtzeit generiert. Dafür arrangiert er Fotografien vergangener Augenblicke live neu auf der Bühne, setzt sie vor verschiedenen Kameras in Beziehung zueinander und schreibt dadurch eine neue Geschichte. Etwas lauter wird es bei der Performance mit dem „Noise Table“ von Roland Bucher (CH). Die Oberfläche dieses „Geräusche-Tisches“ bietet Platz für kleine Instrumente, Spieluhren und Kinderspielzeug, deren Töne der Künstler aufnimmt, samplet und live manipuliert.

Alle Abende enden im lab30 Club im Nordflügel, wo drei Vertreter der jungen Augsburger DJ-Szene dem Publikum einheizen: David Gold (omniboys), David Kochs (Hallo Werner) und Simson Hermann (Green Belt) beschließen die Nächte mit minimalen Bassdrums, House und Techno. Interaktiv und futuristisch – die Kunstlabor-Ausstellung 2015

Zum Anfassen, Nachfragen und Mitmachen lädt die lab30-Kunstlabor-ausstellung ein. Aus über 120 Einreichungen hat das Team um Projektleiterin Barbara Friedrichs 17 Arbeiten ausgewählt, die im ganzen Haus präsentiert werden: Von der Großen Halle des BBK bis unter das Dach zeigen KünstlerInnen und Studierende der renommierten Medienkunsthochschulen aktuelle Projekte. Sie spielen mit unserer Wahrnehmung, verblüffen mit Illusionen und hinterfragen unsere Gewohnheiten und Sichtweisen. So untersucht die raumgreifende Installation »Auto Observatory« der niederländischen Künstlerin Mischa Daams die komplexen und oft unsichtbaren Systeme, die unseren Lebensraum gestalten. In choreografierten Wolkenformationen bildet sie die Luftströme ab, die uns umgeben. Wie ein Spiegelbild funktioniert die „Polywand“ des Münchners Martin Lerf. Die 18 Module reagieren auf ihr Gegenüber und können durch Bewegung, Geräusche und Musik interaktiv gesteuert werden. Den BetrachterInnen eröffnet sich ein Bild, das lebendig ist. Geschick und Schnelligkeit sind wiederum am „Digigripper“ von Olaf Val aus Kassel gefragt, einem überdimensionalen Display, das zur Kletterwand wird und sicherlich insbesondere (aber nicht nur!) für das jüngere Publikum ein Höhepunkt des diesjährigen Programms darstellt.

Buchstäblich in der Zeit stehen bleiben können die BesucherInnen in der 96-Kanal-Installation „Time to X“ von David Hochgatterer (Linz): Entlang einer Wand ist eine kurze Audiodatei in 96 Fragmente zerlegt - bewegt man sich entlang der Installation, so geht man in beliebiger Richtung und Geschwindigkeit durch die Zeit. Zum musikalischen Zusammenspiel animiert die „Laser Harp Q“ des Circus Lumineszenz (Argentinien): 12 Laser-Strahlen lassen sich hier durch Arme und Beine bedienen und schaffen ein neues Klangerlebnis.

akustische Stadtintervention und workshops
Mit kollektiver Klangerzeugung und -wahrnehmung setzt sich auch die akustische Stadtintervention des lab30 2015 auseinander: „Collective Mobile Drone“ heißt das Projekt von Tobias Schmitt. Die TeilnehmerInnen laden sich vorher eine im Internet verfügbare Audiodatei herunter, die sie am Augsburger Moritzplatz gleichzeitig mittels ihrer Telefone abspielen. Der augenscheinlich statische Ton bekommt durch seine Schichtung, seine Bewegung im Raum und die Interaktion mit den Umgebungsgeräuschen eine ungeahnte Lebendigkeit, die sich durch konzentriertes Zuhören erfahren lässt.

Und wer darüber hinaus noch selbst Hand anlegen möchte, kann bei zwei Workshops seine eigene 
Medienkunst erschaffen: Hannes Hölzl (Berlin) lädt Kinder und Erwachsene zum Instrumentenbau ein und der Kassler Olaf Val bastelt mit den TeilnehmerInnen anhand vorgefertigter Bausätze so genannte BitPlants, kleine pflanzenähnliche Apparate, die Twittermeldungen akustisch wiedergeben.



Weitere Informationen: www.lab30.de




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