Das Iglu-Hotel in Arjeplog. Foto: Geertje Jacob

Schneescooterausflug in Arvidsjaur. Foto: Geertje Jacob

Kirche in Schwedisch-Lappland. Foto: Geertje Jacob

Hundeschlitten-Tour. Foto: Geertje Jacob

Samische Holzhtte. Foto: Geertje Jacob

Nordlichter. Foto: Geertje Jacob

Ein Hotel nach Iglu-Art. Foto: Geertje Jacob

Mit Schlittenhunden unterwegs. Foto: Geertje Jacob

Nordlichter in Arvidsjaur. Foto: Geertje Jacob

Iglootel. Foto: Geertje Jacob


Allgemeine Informationen
über Schwedisch Lappland: www.swedishlapland.de

Anreise
Direktflüge von Frankfurt/Hahn, München, Stuttgart
und Hannover nach Arvidsjaur oder von vielen Städten
Deutschlands nach Stockholm und von dort nach Kiruna oder Gällivare.

Unterkünfte
Arvidsjaur: Laplandlodge, www.laplandlodge.se,
Hotel Laponia, www.hotell-laponia.se
Arjeplog: Iglootel, www.iglootel.de
Ab Silvester 2015 geöffnet:
Hotel Kraja/Silverlodge, Hotel Silverhatten,
www. silverhatten.se

Aktivitäten
Schneescooter Ausflüge buchbar bei
der Touristeninfo von Arvidsjaur
oder in den Hotels der Silver Resorts in Arjeplog
Schneeschuhwanderungen, Crosscountry Skiing, Alpinski, Eisangeln,
Eisfahren/Ice driving, Nordlichtsafaris, Samische Kulturabende
bei verschiedenen Anbietern, zu erfragen in den jeweiligen Unterkünften
HundeschlittenSafaris mit Lars und Malin: www.cold-nose.se



FineArtReisen® Artikel Nr. 162582 vom 01.11.2015


Eisiges Lappland - Vom Schlafen in Eis und Schnee im Iglootel

Ich ziehe mir die Schlafsackkapuze tief ins Gesicht, nur die Nasenspitze guckt noch heraus und spürt die Minusgrade. Der Atem kondensiert an der Schlafsackhülle und dann ist es dort kalt feucht. Ich trage eine Mütze, denn die meiste Wärme geht ja über den Kopf verloren.Über mir wölbt sich eine Decke aus Schnee und mein Bett steht heute Nacht in einem Iglu des Iglootel in Schwedisch-Lappland. Das Iglootel in Arjeploog wurde von deutschen Studenten der Handwerksakademie Gut Rosenberg gestaltet, und durch alle Räumlichkeiten ziehen sich Muster und Motive, die der Flora Lapplands entspringen. So finden sich mikroskopische Ansichten von Pflanzenteilen oder Blattadern, die über Eisblöcke und Schneewände mäandern.

An der Eisbar wird natürlich aus Eisgläsern getrunken. Die gesamte Welt des Iglootel ist in besonderes Licht getaucht. Während über viele Wochen am Polarkreis im Winter nur Dämmerlicht herrscht, sind hier die Iglus in violette und warme orange Farben gehüllt. Niemand muss Angst haben zu erfrieren. Es gibt nämlich Saunen und auch Hot Tubs, also heiße Whirlpools im Außenbereich. Vor meiner Nacht im Iglu wärme ich mich ausführlich im Wellnessbereich auf und wenn ich Glück habe, sehe ich über mir sogar die Polarlichter am Himmel scheinen. Wenn man eine Übernachtung im Iglu bucht, wird man selbstverständlich mit Arktis tauglichen Schlafsäcken ausgestattet. Außerdem ist das Bett in ein Holzpodest eingelassen und auf einer dünnen Schaumstoffmatratze liegen mehrere Rentierfelle, die auf ganz natürliche Weise isolieren. Das wussten schon die Ureinwohner, die Samen. Diese sind das indigene Volk in Lappland. Sie leben sowohl hier in Schwedisch-Lappland, als auch in den nördlichen Gebieten Norwegens, Finnlands und Russlands.

Gaumenfreuden in Lappland
Sie betreiben auch heute noch Rentierwirtschaft und bewahren eine einzigartige Kultur. Für Ausflüge in die Natur stehen sie gerne als Guides zur Verfügung. Oftmals sitze ich mit ihnen am Lagerfeuer auf Rentierfellen, wir essen dann Renskav, Rentiergeschnetzeltes, das in flaches Brot gewickelt ist, und trinken Kokkaffee. In einem Kessel, der schwarz vor Ruß ist, wird das grobe Kaffeepulver gleich mit dem Wasser zum Kochen auf das Feuer gestellt. Es duftet nach Lagerfeuer und Kaffee. Nachdem es einmal aufgekocht ist und der Kaffeegrund sich gesetzt hat, wird das dunkelbraune Getränk in die Kåsa, die Holztasse gefüllt. Die kugligen Gefäße werden aus Birkenknollen hergestellt. Dort, wo sich ein Ast gabelt, entsteht fast automatisch eine runde Form und das Holz hat eine sehr hohe Dichte. Das einfache flache Brot wird in einer Pfanne gebacken und das Rentierfleisch wird eingewickelt und manchmal noch mit Preisselbeermarmelade, der Lingonsylt , verfeinert.

So ein Lagerfeuer wird gerne in der freien Natur entfacht. Das ist ist sogar möglich, wenn nur feuchtes Holz zu haben ist. Etwas Birkenrinde funktioniert dann immer als Feueranzünder. Aber auch in typischen samischen Holzhütten, den Kotas, oder in Zelten, den Lavvus, habe ich schon gemütliche Zeiten verbracht. In jedem Fall sitzen alle auf dem Boden auf Rentierfellen. Und am besten ist es, wenn Sagen und Mythen der Samen zu hören sind. Am Ende ist klar, dass alles nach Lagerfeuer und Rauch riecht. Das gehört in Schwedisch-Lappland dazu.

Motoren am Polarkreis
Nach Arjeplog und Arvidsjaur nah des Polarkreises kommt im Winter die halbe deutsche Autoindustrie, um Fahrzeuge auf ihre Wintertauglichkeit zu testen. Auch Automobilfans verbringen hier ihre Winterferien und lassen die Motoren unter ihren Hinterm im Schnee brummen. Die großen Seen am Polarkreis sind ab November zugefroren und besonders präparierte Eis-Tracks ziehen sich durch die Landschaft.

Icedrifting in schnellen Flitzern
In einem kleinen Rennflitzer versuche ich, die Spuren entlang zusteuern und kurz, aber kräftig, in der Kurve zu bremsen, das Hinterteil des Auto schert aus. Das Fahrvergnügen heißt Icedrifting und man benötigt dazu etwas Fahrgeschick, was sich aber Runde um Runde verbessert. Hin und wieder lande ich im weichen Schnee am Rand der Fahrspur. Es kann nicht viel passieren auf der weiten Ebene des Arvidsjaursjön. Mit Adrenalin im Blut von den vielen Runden Fahrspaß steige ich aus dem Fahrzeug und bin von einer trockenen angenehmen Kälte umgeben. In Null Komma nichts sind Augenbraun und Wimpern mit Raureif bedeckt und beim Einatmen kleben die Härchen in der Nase zusammen. Minus 20 Grad gelten hier nicht als ungewöhnlich kalt. Als wirklich kalt gilt hier erst alles ab minus 30 Grad.

Schneescooter fahren
Einen anderer Fahrspaß findet mit Schneemotorrädern (Schneescootern) statt. Dafür trage ich einen zusätzlichen dicken Overall über meiner Winterkleidung. Die Handgriffe an den Schneescootern sind zum Glück beheizt, trotzdem braucht es auch dicke Handschuhe. Von einem erfahrenen Guide werde ich in das Fahren mit so einem Gerät eingewiesen. Zum Glück benötige ich keine extra Fahrerlaubnis, allerdings ist eine kleine Probefahrt unter professionellen Augen doch ganz vorteilhaft. Ausflüge mit Schneescootern werden sowohl als Tagesausflüge, Mehrtagestouren oder Nordlichtsafaris angeboten. Ganz ehrlich, im normalen Leben bin ich kein Motorradfan, aber das Durchstreifen dieser Landschaft mit einem brummenden Motor gefällt mir schon ganz gut. Hier oben in Lappland gibt es ein extra Wegenetz, das durch die Wälder oder quer über zugefrorene Gewässer führt. Scooterwege sind mit roten Holzkreuzen gekennzeichnet und werden auch regelmäßig gespurt. Auf einer weiten Ebene, einem zugefrorenen See experimentiere ich mit meinem motorisierten Gefährt etwas herum. Ich knie mit einem Bein auf dem Sitz und lege mich steil in die Kurve oder reiße den Lenker hoch während ich Gas geb. Das ist eine sportliche Herausforderung und ich merke wie meine Fitness all der Spielerei eine Grenze setzt. Trotz dem Spaß, hier herumzukurven, bin ich am Ende der Scootertour auch froh, wieder die Stille dieser besonderen Landschaft genießen zu können. Es dröhnt noch eine Weile nach. Der Schnee rieselt leise. Während mein Atem kondensiert, merke ich wie kalt es eigentlich ist. Trotz Spezialstiefel und Overall beginne ich die Kälte zu fühlen.

Wellness in der Schneelandschaft
Deshalb gibt es auch in fast allen Unterkünften in Lappland eine Sauna. Die Saunakultur stammt aus Finnland, ist aber auch in Schweden tief verankert. Die Bastu-Akademie, also Sauna-Akademie, erhält die wärmende Kultur und veranstaltet Feste und Seminare zum Thema Saunieren in Schweden. Schwedische Saunaprofis gießen in einem bestimmten Rhythmus den mit holzbeheizten Saunaofen auf, um die bestmögliche Hitze und Luftfeuchtigkeit zu erreichen. Mir reicht es, einfach nur wieder durch und durch warm zu werden.

Magisches Licht am dunklen Himmel
Ich sitze in einem der dampfenden Pools draußen in der Iglu Landschaft von Arjeplog, als am nächtlichen Sternenhimmel wunderbare farbige Lichter, die Polarlichter, wie aus dem Nichts erscheinen. Mit staunend offenem Mund kann ich meinen Blick nicht von der wabernden, mäandernden Bewegung am Himmel lassen. Ich habe gehört, dass in den Nordlichtern die Seelen verstorbener Tiere davonfliegen. Tausende Touristen kommen jeden Winter nur für dieses Naturschauspiel nach Lappland und schließen sich professionellen Fotografen an, um das Phänomen mit ihren Kameras festzuhalten.

Ausflug mit dem Hundeschlitten
Lars und Malin bieten mit ihren "Cold Nose Huskies" auch Hundeschlittenausflüge in der Nähe von Arjeplog in der Dunkelheit an. Während die Pfoten der Vierbeiner leise durch die einsame Landschaft rennen, sehe ich am Horizont grüne und violette Polarlichter leuchten. Das deutsch-schwedische Paar trainiert sich und ihre Hunde hier für das längste und härteste Schlittenhunderennen der Welt in Alaska. Dafür haben sie hier mit 8 Monaten Winter im Jahr beste Bedingungen. Während ich auf dem Rentierfell bespannten Holzschlitten sitze, denke ich, dass dies doch die schönste Art der Fortbewegung durch die Arktis ist. Bei einer nächsten Tour kann ich auch einmal selbst versuchen, einen Hundeschlitten zu steuern. Dazu bedarf es einiges an Einfühlungsvermögen und Kondition um die lauffreudigen Tiere zu lenken.

Die Dunkelheit und Kälte im nordischen Winter zu erleben und festzustellen, dass die Begegnungen mit der Kultur der Samen und der Natur dort so besonders erwärmend ist, macht Lappland zu einem besonderen Reiseziel in Europa.

Autorin: Geertje Jacob




Foto: Malou von Simson

Geertje Jacob
Geertje Jacob reist seit vielen Jahren bevorzugt in die kalten und unwirtlichen Gegenden der Welt. Körperliche Herausforderungen und das Eintauchen in die Kultur der nördlichen Landschaften ist Bestandteil aller Expeditionen. Als Reisefotografin und Journalistin dokumentiert sie die ungewöhnlichen Augenblicken auch außerhalb der Hochsaison, spiegelt Details und Momente sinnlicher Wahrnehmung in ihren Arbeiten wieder. 1975 wurde sie als Ostseekind in Rostock geboren und wusste schon immer den kühlen Duft vom Meer zu schätzen. Nach Skandinavien war es immer nur ein Katzensprung. Deshalb trieb es sie schon in jungen Jahren mehrmals im Jahr nach Schweden, Norwegen oder Dänemark. Während ihrer Ausbildung in den Bereichen Architektur, Design und Kunst verbrachte sie mehrere Monate in Stockholm und Helsinki. Seit dieser intensiven Zeit fühlt sie sich auch durch das Erlernen der schwedischen Sprache besonders mit dem Norden verbunden.Während dieser Zeit unternahm sie aber auch Single-Touren durch Südostasien, kletterte im Annapurna Circle im Himalaya und durchstreifte Borneos Dschungel. [lesen Sie hier weiter]





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