Foto: Geertje Jacob

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FineArtReisen® Artikel Nr. 170331 vom 01.03.2016 letze Aktualisierung am 01.03.2016


Uckermark - Genuss mit neuer Zeitrechnung

Gleich vor den nördlichen Toren Berlins beginnt der Landstrich der Uckermark. Eine Ferienwoche tauche ich mit meiner Tochter und einer Freundin nebst ihrer Tochter in die seichte hügelige Landschaft im Nordosten Deutschlands ein. Uns vier Wandersleute begleiten zwei Esel. Emma und Sofi sind unsere grau strubbligen Tragetiere. Auf dem Eselhof Celine Caravan in Suckow bekommen wir eine Einführung in den Umgang mit den zwei Damen. Es ist ein sonniger Tag. Das Licht scheint golden durch die Kronen der Bäume. Das alte Backsteinhaus von Katrin von Zwoll strahlt schon die Gelassenheit und Ruhe aus, die wir in den wenigen Tagen hier inhalieren. Die Luft scheint frischer und klarer als im nahegelegenen Berlin. Geräuschkulisse? Höchstens das Rauschen des Windes und ein paar zwitschernde Vögel. Herrlich. Die kreisenden Gedanken im Kopf, die einen noch mit der Zivilisation verbinden, fliegen schnell davon. Sie sind hinter dem nächsten grünen Hügel verschwunden.

Eselwandern in der Uckermark
Unsere Esel haben Packtaschen, wo wir unsere sieben Sachen verstauen. Darunter befindet sich kaum Technik. Vielmehr ein gutes Buch, Skizzenpapier, ein paar Stifte. Die Eselwirtin gibt uns ein Picknickset mit und jede Menge regionaler Köstlichkeiten für den ersten Tag. Wir wundern uns über den Wanderplan, denn ohne Gepäck sollte man doch eigentlich zügig vorankommen. Auf einer Landkarte sehen wir unser nächstes Ziel in 6 Kilometern Entfernung. Der kleine Ort heißt Gerswalde und befindet sich im Herzen der Uckermark. Am späten Vormittag ziehen wir los. Ein Stück gehen wir auf einem Fahrradweg neben der Straße. Hier wachsen anscheinend Köstlichkeiten für unsere zwei tierischen Begleiterinnen. Sie fressen nach dem Losgehen erst einmal genüsslich und sind kaum zum Weitergehen zu bewegen. Wir haben gelernt, dass wir kurz ruckartig am Führstrick ziehen sollen. Gemacht getan. Nichts bewegt sich. Eigentlich auch nicht so schlimm. Wir genießen den weiten Blick über die Felder. Die meisten sind jetzt im goldenen Herbst schon abgeerntet. Die Allee ist mit Apfelbäumen gesäumt. Wir pflücken ein paar kleine saftige Früchte während wir den Blick schweifen lassen. Die sanften Hügel umrahmen kleine Seen. Wölkchen schweben als Phantasietiere über den Horizont.

Picknick mit regionalen Köstlichkeiten
Es geht weiter, in einem überaus gemütlichen Tempo spazieren wir jetzt über Waldwege und auch querfeldein nicht mehr an der Straße entlang. Nur vereinzelt sehen wir Gehöfte oder Ställe. In der schönsten Mittagssonne suchen wir uns einen Platz auf einer Wiese und breiten die karierte Picknickdecke aus. Aus dem Lunchpaket duftet es nach verschiedenen Käsesorten und frischen Kräutern. Das hausgebackene Brot ist noch warm. Der Tee dampft aus der Thermoskanne. Wir lümmeln auf dem karierten Untergrund, schauen in den Himmel und lassen uns den Geschmack der Uckermark auf der Zunge zergehen. Die Eselinnen lassen es sich auch gut gehen und fressen besonders gerne Klee am Feldrand.

Backsteingemäuer in der Ferne zeigen uns, dass unser Ziel nicht mehr weit ist. Es dämmert schon als wir auf dem Hof der alten Buchbinderei eintrudeln. Ein Dreiseitenhof mit Gästezimmern und einer fast musealen Werkstatt. Die Mädchen verziehen sich auf die Weide und sind noch eine Weile mit den Eseln zusammen, sitzen bei ihnen und zeichnen, was ihnen in den Sinn kommt. Analoge Welt für ein paar Tage in einer Landschaft, die wir gerade neu entdecken, in ihrer Geschwindigkeit und ihrem Geschmack, in ihrer Weite und Frische weit ab von der Großstadt.

Gasthof in der Uckermark
Auf dem Hof bekommen wir ein deftiges Abendbrot mit überbackenem Wurzelgemüse aus dem Backofen, alles regional und saisonal natürlich. Irgendwie macht sich eine angenehme Schwere breit. Viele ungewohnte Sinneseindrücke, die den Alltag vergessen machen. Die Versorgung der Tiere macht ebenso einen Teil des Abends aus, wie die Planung des nächsten Wandertages. Die Strecke ist ähnlich kurz. Aber jetzt wissen wir ja, dass hier in der Uckermark die Uhren anders ticken. Jede Minute ist intensiv und ganz anders in der ursprünglichen Natur mit den Eseln an unserer Seite.

Am nächsten Morgen stöbern wir in den Papieren und Werkstattwinkeln der alten Buchbinderei im Gasthof nachdem wir schon am Frühstückstisch mit den Hausherren über die Künstler und die Kunst in der Uckermark philosophierten. Viele haben sich hier unweit der Großstadt Berlin angesiedelt und leben oft von der Kunst. In den Sommermonaten kann man die Künstler an offenen Ateliertagen besuchen an manchen Orten, wie in Annenwalde, ist die Künstlerdichte besonders hoch. Die gläserne Kunst in einer neugebauten Glashütte verweist hier auf eine lange Tradition. Die Menschen strahlen eine freundliche nordische Gelassenheit aus. Manch einer wortkarg und mit skeptischem Blick. Denn Touristen mit Eseln an der Seite sieht man nicht allzu oft. Doch ist man in den Gasthöfen darauf eingestellt und bietet Weide und Futter für die Tiere an. Hier ist es möglich, noch abseits der ausgetretenen Pfade ein paar ruhige Tage zu genießen ohne viel Schnickschnack.

Straußenfarm Berkenlatten
Etwas exotischer ist der Straußenhof in Berkenlatten. Dutzende Tiere leben hier und werden in verschiedenen Gehegen gehalten. Auf einem Teil der Farm gibt es ein kleines Gästehaus mitten in einem umzäunten Gehege, wo auch unsere Eselinnen die Nacht verbringen. Die putzigen Laufvögel mit den langen Hälsen können wir stundenlang beobachten. Natürlich sind die Jungtiere am niedlichsten. Aber ebenso exotisch sind die langhalsigen bis zu 3 Meter hohen ausgewachsenen Tiere. Im Restaurant und angeschlossenen Laden gibt es natürlich allerlei Straußenprodukte. Zum Abendessen bekommen wir Berge von Straußenfleisch serviert. Auch das gehört hier zum Leben auf dem Land dazu und wer sich darauf einlässt, kann ganz neue Geschmäcker erleben.

Die Herbstsonne kitzelt uns im Morgengrauen und der neblige Morgendunst steht noch auf den Wiesen. Große Tautropfen hängen an Gräsern und Ästen. Die Sonne bringt all ihre Kraft auf, um durchzudringen. Mit klaren Gedanken brechen wir zu unserer letzten Etappe der Eselwanderung auf. Es sind noch einmal 8 Kilometer zu bewältigen. Mittlerweile haben wir uns mit den Tieren ganz gut synchronisiert. Körper und Geist sind mit der Landschaft der Uckermark verschmolzen.

Kleinstädte und ihre Backsteingotik
Kleine und große Seen durchziehen die Landschaft, Hügel und Backsteinarchitektur prägen ihren Charakter. Die zwei großen Seen, der Oberucker- und der Unteruckersee, bestimmen die Gegend um den Ort Prenzlau. Hier ist auf einfühlsame Art und Weise 2011 das Gelände der Landesgartenschau in die vorhandene Umgebung integriert worden. Zwei Landschaftsparks am See und im Stadtpark zeigen auch nach der Gartenschau noch beindruckende Bepflanzungen und abwechslungsreiche Gestaltungselemente. Der Kontrast zur alten Stadtmauer, die das Gelände umzirkelt, und zur alten ehrwürdigen Backsteinkirche im Ort ist gewaltig und urig. Alles strahlt eine besonders erdige Kraft aus. Diese Landschaft ist geeignet zum Auftanken und Kräftesammeln für eine geschäftige Woche in der Hauptstadt. Selbst die Mädchen fragen nicht ein einziges Mal nach dem Internet oder anderen Flimmermedien und lassen sich ganz und gar von der sanften Atmosphäre in der Uckermark umschließen. Und letztendlich sind unsere Herzen auch erwärmt von der Gastfreundlichkeit der Menschen hier im Nordosten Brandenburgs.

Autorin: Geertje Jacob




Foto: Malou von Simson

Geertje Jacob
Geertje Jacob reist seit vielen Jahren bevorzugt in die kalten und unwirtlichen Gegenden der Welt. Körperliche Herausforderungen und das Eintauchen in die Kultur der nördlichen Landschaften ist Bestandteil aller Expeditionen. Als Reisefotografin und Journalistin dokumentiert sie die ungewöhnlichen Augenblicken auch außerhalb der Hochsaison, spiegelt Details und Momente sinnlicher Wahrnehmung in ihren Arbeiten wieder. 1975 wurde sie als Ostseekind in Rostock geboren und wusste schon immer den kühlen Duft vom Meer zu schätzen. Nach Skandinavien war es immer nur ein Katzensprung. Deshalb trieb es sie schon in jungen Jahren mehrmals im Jahr nach Schweden, Norwegen oder Dänemark. Während ihrer Ausbildung in den Bereichen Architektur, Design und Kunst verbrachte sie mehrere Monate in Stockholm und Helsinki. Seit dieser intensiven Zeit fühlt sie sich auch durch das Erlernen der schwedischen Sprache besonders mit dem Norden verbunden.Während dieser Zeit unternahm sie aber auch Single-Touren durch Südostasien, kletterte im Annapurna Circle im Himalaya und durchstreifte Borneos Dschungel. [lesen Sie hier weiter]





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