Das Rote Moor ist ein Hochmoor in der Hessischen Rhn. Der Moorsee gehrt zu den beeindruckensten Seen der gesamten Rhn. Foto: Barbara Homolka

Vom Parkplatz Schornhecke geht es hinauf zum Heidelstein, mit 926 Metern einer der hchsten Berge in der Rhn. Foto: Barbara Homolka

Blick vom Heidelstein ber die offene Berglandschaft der hessischen Rhn.Foto: Barbara Homolka

Das Rote Moor ist heute Bestandteil des Biosphrenreservats Rhn. Die Extratour Rotes Moor fhrt ber Holzstege durch das Rote Moor. Foto: Barbara Homolka

Der tiefste Punkte auf der Extratour Rotes Moor ist erreicht: Die Kaskadenschlucht. Foto: Barbara Homolka

Auch im Winter ldt die Rhn zum Wandern ein. Auf der Wasserkuppe ist zudem bis in den Mrz hinein "Ski und Rodel gut". Foto: Barbara Homolka

14 monumentale Skulpturen des Knstlers Dr. Ulrich Barnickel markieren auf dem Weg der Hoffnung ein Stck des Todesstreifens zwischen Hessen und Thringen. Auf der Extratour "Point Alpha" erinnern die Skulpturen auf einer Strecke von 1,4 Kilometern an die Deutsche Teilung. Foto: Barbara Homolka

Der Kreuzberg mit seinem Kloster und der Kreuzigungsgruppe auf dem Gipfel ist der Heilige Berg der Franken. Am Ende eines Tages bietet sich dem Wanderer hier noch einmal eine fantastische Sicht auf die gesamte Rhn. Foto: Barbara Homolka

Die Wasserkuppe ist der "Berg der Flieger". Nach dem Ersten Weltkrieg, als Motorflug in Deutschland verboten war, entwickelte sich die Wasserkuppe zum Mekka aller Flugbegeisterten. Das Fliegerdenkmal wurde 1923 eingeweiht und erinnert an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Piloten. Foto: Barbara Homolka

Das Naturschutzgebiet Lange Rhn liegt auf einem Basalplateau. Verzauberte Baumgestalten begegnen dem Wanderer hier auf Schritt und Tritt. Foto: Barbara Homolka


Informationen über die Rhön:
http://www.rhoen.de

Über den Hochrhöner und die Extratouren:
http://www.rhoen.de/urlaub-kultur-ferien-wellness/wandern-natur/der-hochrhoener/hochrhoener-wanderweg.html
http://www.rhoen.de/urlaub-kultur-ferien-wellness/wandern-natur/dieextratouren/index.html

Über das Biospärenreservat:
http://biosphaerenreservat-rhoen.de/

Gedenkstätte Point Alpha:
http://pointalpha.com/

Hauptreisezeit:
Die Rhön ist immer schön – zu jeder Jahreszeit. Wandern lässt sich (fast) immer, im Winter stehen zahlreiche Loipen und Abfahrten für Wintersportler zur Verfügung.

Anreise:
Idealer Ausgangspunkt für die Wanderung auf der Extratour Rotes Moor ist der Parkplatz Moordorf direkt an der B 278 zwischen Bischofsheim und Wüstensachsen.



FineArtReisen® Artikel Nr. 172363 vom 05.04.2016


Auf der Extratour Rotes Moor durch die Rhön

Und frei ist der Blick in die Welt hinein... Absolute Stille umfängt uns. Kein menschliches Geräusch, kein Straßenverkehr, kein Vogel. Einfach nur Stille. Nebel, und abseits des Holzstegs grotesk anmutende Baumleichen, die mit ihren abgebrochenen Ästen Flocken aus der weißen Suppe zupfen und ins Hochmoor werfen. Wer weiß, ob hier nicht auch Kobolde kichern und Elfen tanzen. Doch noch ist es ruhig, absolut ruhig.

Wir sind im Roten Moor, einem Hochmoor der Rhön, morgens um 10 Uhr, auf Kilometer eins der 18 Kilometer langen „Extratour Rotes Moor“. Wir, das sind mein sportlicher Border Collie Idgie und ich, das schon nicht mehr sportliche Frauchen. Die Extratour Rotes Moor gehört zum „Hochrhöner“, einem rund 180 Kilometer langen Weitwanderweg, der von Bad Kissingen nach Bad Salzungen führt. Zusätzlich zur Hauptwanderroute wurden 20 Extratouren ausgewiesen, die zwischen neun und 20 Kilometer lang sind und als Tagesrundtouren absolviert werden können. Alle Touren haben einen unterschiedlichen thematischen Schwerpunkt.

Das Rote Moor ist sicherlich einer der Höhepunkte auf der „Extratour Rotes Moor“. 175 Jahre lang, bis 1984, wurde hier Torf abgebaut, Raubbau an der Natur betrieben. Im Jahr 1979 begann die Renaturierung, das Rote Moor wurde zum Naturschutzgebiet. Heute führt ein Bohlenweg durch die empfindliche Moorlandschaft, von einem Aussichtsturm bietet sich ein weiter Blick über das Rote Moor und auch die ehemaligen Abbauflächen. Von hier könnten wir dem Moorlehrpfad zurück zum Moorsee folgen, doch uns steht der Sinn nach Größerem. Wir verlassen den stillen Moorpfad und folgen dem roten „R“ das uns den Weg weist – hinab in die Kaskadenschlucht. Steil wird der Weg und etwas rutschig –  gutes Schuhwerk ist hier Pflicht. Ein nicht ziehender Hund an der Leine wäre ebenfalls nicht zu unterschätzen, der Collie wittert Wild, Wald und Wasser und ist kaum zu bremsen. Ziemlich rasant erreichen wir den tiefsten Punkt unserer Wanderung. Ab jetzt geht es stetig bergauf, dem wild ins Tal stürzenden Bachlauf entgegen. Man braucht zwar kein Bergziegendiplom, aber ganz anspruchslos ist der Aufstieg nicht.

Der Lohn der Mühen: Oben angekommen, auf der Hochfläche zwischen Rotem Moor und Wasserkuppe, eröffnet sich dem (schnaufenden) Wanderer ein fantastischer Blick über die umliegenden Berge, hinab in die Täler. Links grüßt die Wasserkuppe, Sehnsuchtsort aller Segelflieger. Hier machten die Flugpioniere Anfang des letzten Jahrhunderts ihre ersten größeren und kleineren Hopser und entdeckten schließlich das Wunder der Thermik, das den motorlosen Flug erst möglich macht. Vor über dreißig Jahren, als noch ganz frische Flugschülerin und infiziert vom Segelflug-Virus, konnte ich hier meinen ersten Start im sogenannten Flugzeug-Schlepp absolvieren. Noch genau erinnere ich mich an den Moment, in dem das Klick des Schleppseils signalisierte, dass ich von nun an allein mit Fluglehrer, Flugzeug, Wolken und Wind war. Das Gänsehaut-Gefühl stellt sich mit der Erinnerung an diesen Frühherbsttag Mitte der 1980er Jahre sofort wieder ein. Fast wäre ich versucht, Richtung Wasserkuppe weiterzuwandern, aber das Auto steht nun mal am Wanderparkplatz Rotes Moor in die andere Richtung. So muss der Fliegerberg warten.

Die Extratour „Guckaisee“ rund um die Wasserkuppe werden wir später in Angriff nehmen. Der Border Collie hat ohnehin anderes im Sinn: Weiter soll es gehen, durch Wiesen und Wälder. Ein Stück geht es die Hochfläche entlang, wieder ein Stück ins Tal hinunter, wieder leicht bergan auf die Höhe, umsäumt von Weidezäunen, hinter denen neugierige Jungrinder das Tun der Wanderer beäugen. Ein Naturwanderweg, wie wir ihn lieben, ein Trampelpfad, der sich seinen Weg durch die Natur bahnt. Und immer wieder innehalten: Den Blick ins Tal genießen, die ungewöhnliche Fauna am Wegesrand erkunden, neugierige Kälber streicheln, mit anderen Wanderern ein paar freundliche Worte tauschen, wir haben heute keine Zeit, uns zu beeilen.

Wir erklimmen den Mathesberg, der uns wieder die Sicht auf die Wasserkuppe, aber auch hinab ins Ulstertal und den Ort Wüstensachsen freigibt. Vom Mathesberg hinunter geht es wieder durch Weiden, über Stock und Stein, zurück ins Naturschutzgebiet Rotes Moor bis zum Parkplatz Moorwiese. Hier teilt sich der Weg, wir können zurück zum Parkplatz Rotes Moor oder der Extratour weiter folgen. Wir entscheiden uns für letzteres und werden reich belohnt: Freie Wiesenflächen, einladende Wanderhüttchen, Quellen und Bergbäche.

Schwer bepackte Tourenwanderer begegnen uns, wir treffen plantschende Kinder in der Ulsterquelle, Mountainbiker und ganze Wandergruppen. Das klare Quellwasser übrigens schmeckt nach Karst und Moos, ist eiskalt und köstlich. Weiter geht’s in den Wald hinein, ins Naturschutzgebiet Kesselrain, das zur Kernzone des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön gehört. Wilde Bäche stürzen hier ins Tal, es riecht verführerisch nach Waldboden und Kräutern. In dieser Kernzone wird der Wald nicht mehr forstwirtschaftlich genutzt, Fauna und Flora können sich hier ungestört entwickeln. So wachsen hier der Gelbe Eisenhut, die Breitblättrige Glockenblume, der Alpen-Milchlattich und der Platanenblättrige Hahnenfuß. Die Wasserspitzmaus und die seltene Alpenspitzmaus haben hier ihr Zuhause, der gefährdete Tagfalter Schwarzer Apollo konnte ebenfalls im Kesselrain nachgewiesen werden.

Am Ende dieser Naturoase erinnert ein kleiner Skilift daran, dass im Winter nicht nur zahlreiche Loipen durch die Rhön führen, sondern an den Berghängen jede Menge Spaß auf Kufen und Brettern wartet. Noch ist der Schnee weit, die Wanderer zieht es hinaus in die Rhön. Besonders augenfällig wird dies am Wanderparkplatz Schornhecke. Die Ostvariante „Lange Rhön“ des Fernwanderwegs Hochrhöner kreuzt hier genauso wie der Rundwanderweg „Hochrhöntour“ unseren Weg. Im weitläufigen Aufstieg Richtung Heidelstein haben wir die Rhöner Bergwelt dann aber wieder nahezu für uns alleine.

Vor rund dreißig Jahren noch war die Welt in der Rhön so gut wie zu Ende. Die Rhön wurde durchschnitten von der innerdeutschen Grenze, dem brutalen Todesstreifen. Die Rhön betrachteten westliche Strategen des Kalten Krieges als Hauptangriffsroute des Warschauer Pakts auf den Westen. Man war gerüstet, auf beiden Seiten. Die Rhöner lebten mit Teilung und Militarisierung ihrer Heimat bis zur Wende.

Das UNESCO-Biospährenreservat ist ein Kind der Wiedervereinigung. Bereits am 6. März 1991 wurde die Drei-Länder-Rhön der Bundesländer Bayern, Hessen und Thüringen von der UNESCO zum Biosphärenreservat geadelt. Das Biosphärenreservat ist kein Naturpark oder Naturschutzgebiet, das Konzept hat die Menschen genauso im Blick wie die Natur- und Kulturlandschaft. Bildung, Kommunikation und nachhaltige Entwicklung haben einen hohen Stellenwert. Vom einstigen Zonenrandgebiet, dem Todesstreifen und den Befestigungsanlagen ist indes 25 Jahre nach der Einheit nichts mehr zu spüren, es sei denn, man begibt sich gezielt auf Spurensuche. Auf die Extratour „Point Alpha“ etwa, die den heißesten Punkt des kalten Krieges in den Mittelpunkt stellt. Oder auf Touren am „Grünen Band“, entlang der ehemaligen Deutschen Grenze.

Wir erklimmen den Heidelstein mit 926 Metern, unseren letzten Anstieg, Idgie ist nicht mehr munter und überschäumend, sondern ein ziemlich müder Hund. Oben erwartet uns nicht nur eine friedlich grasende Rhönschaf-Herde, sondern abermals eine phantastische Aussicht über die Hochrhön vom Kreuzberg bis zur Wasserkuppe. Hinten im Westen droht dunkel eine Gewitterfront, die Frau und Hund zur Eile gemahnt. Nach wenigen Kilometern haben wir es geschafft, rechtzeitig vor den ersten Regentropfen erreichen wir das NABU-Haus am Roten Moor. Die deftigen Rhöner Spezialitäten in fester und flüssiger Form, die sich hier verkosten und auch erwerben lassen, schmecken nach 18 Wanderkilometern durch die Natur ganz besonders gut.

Autorin: Barbara Homolka und Border Collie Idgie




Foto: Barbara Homolka (Selbstportrait)

Barbara Homolka
Geboren und aufgewachsen bin ich in Schwäbisch Gmünd, einer beschaulichen Kleinstadt am Rande der Schwäbischen Alb. Schon bald zog es mich immer wieder in die große weite Welt hinaus. Per Anhalter und später auch mit dem 2CV, der kultigen Ente, ging es durch Europa und nach Marokko. Und auch das wirklich Sesshaftwerden fiel mir schwer: Wegen zahlreicher Umzüge passte mein Hab und Gut lange Jahre in einen Pkw Kombi, bis ich der Liebe und der Arbeit wegen dann in Bad Mergentheim blieb, einer noch beschaulicheren Kleinstadt im Lieblichen Taubertal. Dort arbeitete ich bis 2015 für die Tauber-Zeitung als Redakteurin, vorwiegend für Sonderthemen. Das Schreiben ist meine Leidenschaft. Gedichte, Geschichten Reportagen sind aus Füllern geflossen, mit viel Intensität in die Tasten einer Schreibmaschine gehauen worden und erblicken mittlerweile mit Hilfe von PC und Software das Licht der Welt. Ich liebe es, Menschen zu porträtieren, von ihren Ideen und Projekten zu berichten. Über mich selber schreiben fällt mir schwer, genauso wie ich mich hinter der Kamera wohler fühle als davor. [lesen Sie hier weiter]





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