Die Vitznau-Rigi-Bahn. Foto: Holger Küppers

Hoch über dem Vierwaldstätter See. Foto: Holger Küppers

Vitznauer Nebelspiele. Foto: Holger Küppers

Kapellbrücke mit Pilatus. Foto: Holger Küppers

Zuger See. Foto: Holger Küppers

Rückfahrt mit dem Raddampfer. Foto: Holger Küppers

Rückfahrt mit dem Raddampfer. Foto: Holger Küppers

Tells Armbrust unter Deck. Foto: Holger Küppers

Reuss mit der Luzerner Altstadt. Foto: Holger Küppers

Der Pilatus, Luzerns Hausberg. Foto: Holger Küppers

FineArtReisen® Artikel Nr. 174080 vom 01.05.2016 letze Aktualisierung am 01.05.2016


Es führt doch ein anderer Weg nach Küssnacht

Seit 200 Jahren lockt die Rigi schon Touristen an mit dem Versprechen auf ein bezauberndes Alpenpanorama. Und seit 200 Jahren gibt es Touristen, die den Berg hinaufkraxeln, -spazieren oder -fahren, auch wenn das Gipfelmassiv, das oberhalb des Zugersees liegt, wolkenverhangen ist. 1816 beschloss der aus Zürich stammende Panorama-Maler Heinrich Keller, dass die Rigi (1797 m) ein Ausflugsziel für die Allgemeinheit werden müsse, und um diese hehre Ansinnen gleich zu untermauern, eröffnete er die erste von heute zahllosen Gästehäusern auf dem Massiv.

Wer von Luzern nach Küssnacht möchte, ist mit dem Wagen oder dem Zug Richtung Arth-Goldau am schnellsten. Der schönste Weg aber führt über das Wasser. Am Luzerner Hafen legen die Fähren ab, sie fahren über den Vierwaldstätter See nach Vitznau, Flüelen, Kehrsiten-Bürgenstock, Beckenried und eben Küssnacht. Und ja, es gibt sie wirklich, die Hohle Gasse, von der Wilhelm Tell in Schillers gleichnamigem Drama spricht, jeder kennt das Zitat: „Durch diese hohle Gasse muss er kommen. Es führt kein andrer Weg nach Küssnacht.“ Zu Beginn des 14. Jahrhunderts, also zu Tells Zeit, mag das so gewesen sein. Heute führt die vielbefahrene Route 2 und ein Gleisbett der Schweizer Bundesbahn von Immensee nach Küssnacht. Der 9.000 Einwohner zählende Ort, der nördlichste am Vierwaldstätter See, ist vom 1.752 Meter hohen Rigi Kulm durch die Nebelschwaden kaum zu sehen, als wir mit der Vitznau-Rigi-Zahnradbahn oben ankommen. Zudem ist es, auf Deutsch gesagt, saukalt am ersten Septembersamstag, es sind gerade mal vier Grad. Nach ein paar Metern im kalten Dunst taucht eine Almhütte wie aus dem Nichts auf, und gegen das Zähneklappern hilft erstmal ein Obstler.

Die älteste Bergbahn in Europa
Nach einer halben Stunde klart es etwas auf, wir setzen den Weg nach unten fort. Der Nebel hat sich verzogen und den Blick auf Zugersee, Teile des Vierwaldstätter Sees und auf Luzern freigegeben. Direkt unter uns befindet sich jetzt Küssnacht, aber das erneute Aufsagen des Zitats – in „Wilhelm Tell“ übrigens ausgesprochen von Tell höchstpersönlich – verkneifen wir uns aber. Stattdessen schweift der Blick nach Norden bis zum Horizont, wo Zürich aufblinkt, weil die Sonne inzwischen hier und da durchbricht. Und dort, im Nordosten, scheint die Luft eine andere Farbe zu haben, woran mag das liegen? Die Lösung: Hinter den Bergrücken zwischen hier und St. Gallen liegt der riesige Bodensee mit seinem ganz eigenen Binnenklima. Und das kann man sogar von hier aus erkennen, aus 100 Kilometer Entfernung.
Doch auch der Blick nach Süden ist atemberaubend. Mit dem Graustock und dem Rotsandnollen türmen sich zwei 2.700er auf, die den Blick auf den nur 50 Kilometer entfernten Eiger versperren. Und direkt im Westen schmiegt sich Luzern an die Gestade des Vierwaldstätter Sees, von dem wir von hier oben nur einen winzigen Ausschnitt einsehen können. Das Gewässer ist wahnsinnig verästelt, die vielen Arme sorgen dafür, dass die Uferlänge 162 Kilometer beträgt bei einer Fläche von nur 114 Quadratkilometern. Entstanden ist der See in der letzten Eiszeit vor etwa 12.000 Jahren.

Wie vor 200 Jahren
So richtig warm will es uns nicht werden, und so steigen wir 150 Höhenmeter weiter unten in Rigi Staffel wieder in die Vitznau-Rigi-Bahn, die uns in einer halben Stunde wieder hinunter bringt nach Vitznau. Die Zahnradbahn war bei ihrer Eröffnung 1871 die erste Bergbahn Europas. Es gibt ein paar elektrische Triebwagen, aber wer Glück hat, wird im Personenwagen von einer der beiden alten Dampfloks nach oben gezogen. Wir müssen mit dem Elektrischen Vorlieb nehmen, die Fahrt ist aber so oder so ein Erlebnis. Die Fahrerkabinen sind komplett verglast, und wer möchte, kann so einen Blick erhaschen auf die Arbeit der Zugführer und die Zahnradschienen, die im Nichts zu enden scheinen, bevor die Strecke zu einer abschüssigen Rampe wird.

In unserem Abteil sitzt eine Frau mit ihren drei Kindern, die so zwischen drei und neun Jahre alt sein dürften, alle tragen traditionelle Tracht. Die anderen Fahrgäste tuscheln teils verstohlen, die japanischen Mitreisenden fischen ihre Kompaktkameras aus den Outdoorjacken und knipsen ungeniert drauf los. Weil die jüngste Tochter uns irgendwie nett findet, kommen wir mit der Mutter ins Gespräch, die uns erzählt, dass auf einem Gehöft auf der Rigi heute ein Traditionsfest stattgefunden hat. Alle Teilnehmer sollten offenbar in Kleidung erscheinen, die jener vor 200 Jahren entspricht, selbst die Kinder. Und die Familie tut das mit sichtlichem Stolz, aber sie sehen auch ziemlich gut aus ehrlich gesagt. Über die nette Plauderei vergesse ich, um ein Foto anzufragen, und auf einmal sind wir schon wieder in Vitznau am Bahnhof und steigen aus der Zahnradbahn aus.




Altstadt im Dämmerlicht
Etwas mehr als eine Stunde braucht die Fähre, um uns von Vitznau nach Luzern zurückzubringen, wo wir am späten Vormittag aufgebrochen waren. Auf dem Schiff windet es wie verrückt, die riesige Schweizer Nationalflagge (in der Schweiz „Schweizerfahne“ genannt), die am Heck angebracht ist, knattert im Wind wie eine fortwährende Salve von Peitschenhieben. Unter Deck befindet sich eine originale Armbrust, die zusammen mit einem wächsernen Apfel (die Tell’sche Apfelschuss-Sage!) an der Wand angebracht ist. Der Sturm und die gestiegenen Temperaturen haben die Wolkendecke inzwischen auseinandergerissen, und die Nachmittagssonne legt sich warm und golden über die 1365 erbaute Kapellbrücke und den Ausfluss der Reuss aus dem Vierwaldstätter See, wo sich die Anlegestelle des Boots befindet. Im Süden erhebt sich der 2.129 m hohe Pilatus, nach der Rigi der zweite Hausberg von Luzern, dunkel über der 80.000-Einwohner-Stadt, die ohne Zweifel eine der schönsten ist in der Schweiz, nicht nur ihrer Lage wegen. Zeit für einen Rundgang durch die Altstadt, die am Nordufer der Reuss liegt.
Obwohl es erst später Nachmittag ist, liegt ein seltsames Licht über den verwinkelten Gassen.

Luzern ist eine alte Stadt, Mitte des 8. Jahrhunderts wurde erstmals das Wort „Luciaria“ für das Gebiet verwendet. Die Gebäude der Altstadt stammen zumeist aus dem Spätmittelalter, der Renaissance und dem Barock, oberhalb thront wie ein Schutzwall, der sie damals auch war, die Museggmauer, errichtet ab 1370. Die neun Museggtürme dominieren auch das Stadtbild Luzerns. Weiter unten, am Kornmarkt, überragt der Rathausturm die schönen Wohnhäuser um Längen, ebenerdig befinden sich überall hübsche Geschäfte, Bars und Restaurants. Schlagartig stellt sich Magenknurren ein.

Essengehen ist ein Luxus für Ausländer
Weil wir bei einem alten Freund übernachten können, der vor Jahren nach Luzern gezogen ist, und dadurch das Geld für ein Hotel sparen, wollen wir uns erkenntlich zeigen und ihm wenigstens das Abendessen spendieren. Fernöstliche Gaststätten und italienische Restaurants gibt es in der Altstadt wie Sand am Meer, aber uns käme die alpenländische Küche eher gelegen. Und so landen wir in der Rathaus-Brauerei direkt an der Reuss, in der ein kupferner Braukessel die behagliche Atmosphäre noch einmal unterstreicht. Dafür kostet das große Bier acht und Gerichte wie Leberkäse mit Bratkartoffeln oder sechs Nürnberger mit Sauerkraut deutlich mehr als 20 Franken. Ums kurz zu machen: drei Personen, jeder nur ein Hauptgerichte, jeder nur ein Getränk, keine Vorspeisen, Desserts oder Beilagensalate und am Ende stehen umgerechnet 110 Euro zu Buche. Aber günstiger wäre es in einem anderen Lokal sicher auch nicht geworden. Essengehen ist schweizweit nun mal teuer.

Ausflugsziele rund um Luzern
Damit geht unser Tag in der Zentralschweiz zu Ende. Wer hier einen längeren Aufenthalt hat: Glückwunsch, denn Stadt und Region bieten zahlreiche weitere Ausflugsziele zusätzlich zu Rigi und Altstadt. So lassen sich mit der Fähre Rundfahrten über den See oder Ausflüge in andere Städte am Ufer unternehmen. Auch der Pilatus ist ein tolles Ausflugsziel. Schon die Fahrt mit der Pilatusbahn von Alpnachstadt zum Pilatus Kulm ist fantastisch: es handelt sich dabei um die steilste Zahnradbahn der Welt. Auf 4,6 Kilometern überwindet sie 1.635 Höhenmeter – bei einer durchschnittlichen Neigung von 38 und einer maximalen Neigung von 48 Prozent, ein technisches Meisterwerk! Und natürlich gibt es hier sowie an vielen anderen Orten in und um Luzern unzählige herrliche Wandertouren.

Schlechtes Wetter ist in Luzern jedoch auch kein Beinbruch. Die Stadt verfügt über eine große Zahl interessanter Museen (Bourbaki-Panorama, Kunstmuseum, Hans-Erni-Museum, Sammlung Rosengart), von denen zwei absolut herausragen: das Verkehrshaus sowie der Gletschergarten. Das Verkehrshaus ist das größte Museum der ganzen Schweiz, in der Ausstellung befinden sich zahlreiche Schiffe, Autos, Lokomotiven und Flugzeuge. Zudem gibt es ein Großplanetarium sowie ein IMAX-Kino, beide schweizweit die einzigen ihrer Art. Der Gletschergarten als Naturpark und Museum bietet dem Besucher Reisen zurück in jene Zeit, als Gletscher über dem Land lagen. Auch architektonisch hat die Stadt durchaus etwas zu bieten, etwa das Bahnhofsportal auf dem Vorplatz des ebenfalls sehenswerten Bahnhofs. Direkt gegenüber befindet sich das baulich von außen wie von innen höchst interessante Kultur- und Kongresszentrum Luzern. Das Bauwerk ist fast in den Vierwaldstätter See hineingebaut und bildet einen großartigen Anblick mit dem Pilatus im Hintergrund, wenn man Luzern mit der Fähre ansteuert.

Autor: Holger Küppers




Foto: privat

Holger Küppers
Entbunden im Mai 1975 im württembergischen Böblingen, blieb Holger Küppers seiner Heimatstadt danach noch 20 Jahre treu und baute hier das Abitur. Nach dem obligatorischen Staatsdienst, in diesem Fall dem Zivildienst, zog er 1995 ins fränkische Bamberg, wo er sich für das Studium der Geschichte einschrieb, das er 2002 schließlich in Berlin vollendete, wohin er 2000 umsiedelte. Noch in Böblingen arbeitete er als 17-Jähriger als Praktikant und später als freier Mitarbeiter für die dortige Lokalzeitung. [lesen Sie hier weiter]





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