Familie Watzmann von Berchtesgaden gesehen. Foto: Holger Küppers

Blick vom Jennergipfel auf den See. Foto: Holger Küppers

Wimbachklamm. Foto: Holger Küppers

Blick vom Obersee in die Watzmann-Ostwand. Foto: Holger Küppers

Blick von der Archenkanzel auf Königssee und St. Bartholomä. Foto: Holger Küppers

St. Bartholomä. Foto: Holger Küppers

Die Eiskapelle unter der Watzmann-Ostwand. Foto: Holger Küppers

Jause auf der Kuehrointalm. Foto: Holger Küppers

Blick von der Rabenwand auf den Königssee. Foto: Holger Küppers

Alpenglühen über dem Königssee. Foto: Holger Küppers

FineArtReisen® Artikel Nr. 176723 vom 05.06.2016


Familie Watzmann und ihre Gastfreundschaft

Smaragdgrün liegt er da in der Augustsonne, rundherum nichts als Stille. Kein Wandersmann weit und breit, nicht einmal die Kolkraben, die sonst zu hören sind, krächzen in der Mittagshitze, in der die Archenkanzel glüht. 750 Meter tiefer sind die Fährschiffe der Bayerischen Seenschifffahrt zu erkennen, wie sie weiße Schaumfurchen in den türkisfarbenen Königssee pflügen. Dann, ganz leise zuerst, ist weit entfernt eine Melodie zu hören. Ein Trompetenspiel, auf das ein anderes Trompetenspiel zu antworten scheint. Es ist der berühmte Widerhall vom Königssee, den die Bootsmänner von der Bayerischen Seenschifffahrt erzeugen, indem sie ihre Elektrofähren vor der Echowand stoppen und Trompete spielen. Kurz vor der schmalsten Stelle des Sees flimmert unten die alte Wallfahrtskirche St. Bartholomä in der Hitze. Das Tagesziel.

Am Vormittag, es ist schon ziemlich heiß, wandern wir vom See aus die Rodelbahn entlang hinauf Richtung Grünstein, der Weg zieht sich, die ersten Schweißperlen treten auf die Stirn. Die erste Kunsteisbahn der Welt beginnt dort, wo der Klingerbach, vom Grünstein kommend, den Wald verlässt, höher und höher hinauf geht es, immerhin in Serpentinen. In der Nordwand des 1.304 Meter hohen Vorbergs des Watzmann hängen Kletterer, die mit ihren bunten Helmen wie Spielfiguren wirken. Nach 90 Minuten erreichen wir schweißgebadet die auf 1.220 Metern gelegene Grünsteinhütte, direkt gegenüber erhebt sich der Jenner. Zeit für eine kurze Rast.

700 Meter tiefe Abstürze
Der einstündige Weiterweg zur Kührointalm ist Genuss pur. Rechts vor uns ragt die Watzmannfamilie in den Himmel über dem Berchtesgadener Land, Watzmannfrau, Watzmannkinder, nur die mächtige Ostwand mit dem Hauptgipfel bleibt verdeckt. Ein paar Wolken tauchen auf, umspielen den höchsten Punkt des Berges, und mir fällt sofort die Liedzeile ein aus „Der Berg“ in Wolfgang Ambros‘ Konzeptalbum „Der Watzmann ruft“: „Um seinen Gipfel jagen / Nebelschwaden“, so heißt es dort. Oft ist der Himmel im Umkreis von vielen Kilometern blitzblank, die Watzmann-Hauptkuppe kann trotzdem nebelverschleiert sein.

Die Kührointalm ist ein idyllisches Plätzchen. Eine winzige Kapelle wacht über ausladende Weiden, die Speisekarte der Alm ist reichhaltig und der Blick atemberaubend. Noch ahnen wir nichts vom überaus gefährlichen Abstieg hinter der Archenkanzel, dem im oberen Teil als „schwarz“ gewerteten Rinnkendlsteig, der in unserem Wanderführer lediglich als „rot“ geführt wird. Und es wird wirklich riskant, wir tragen zwar feste Schuhe, aber keine Wanderstiefel. An der Archenkanzel lauschen wir verzückt dem Echo und genießen den Ausblick auf Bartholomä, das Steinerne Meer im Süden und die markante Pyramide der 2.653 Meter hohen Schönfeldspitze. Dann geht es hinunter. Der Pfad ist extrem schmal, teilweise weniger als einen halben Meter breit, er ist von losem Gestein bedeckt. Und ausgesetzt, sehr ausgesetzt. Es gibt Passagen, da geht es linkerhand direkt 700 Meter hinunter, wacklige Knie sind hier fehl am Platze. Es ist auch so schwer genug. Nur das fortwährend tolle Panorama entschädigt uns für die Qualen.

Faszinierende Wimbachklamm
Nach etwa einer Stunde ist das schwierigste Teilstück zwar bewältigt, und das Kloster scheint zum Greifen nah. Aber es sind noch 400 Höhenmeter, und im unteren Teil geht es anderthalb Stunden durch einen dichten Wald, der eine korrekte Einschätzung der verbleibenden Höhe nicht zulässt. Die letzten Höhenmeter taumeln wir der Seehöhe entgegen, völlig entkräftet, da taucht endlich St. Bartholomä auf. Ich gebe es ehrlich zu: das Weißbier im Klosterbiergarten ist mit das beste, das ich jemals getrunken habe! Jede andere Belohnung wäre nach dieser Plackerei auch unbefriedigend gewesen. Vom Biergarten aus fällt der Blick in die Watzmann-Ostwand, eine gewaltige Flanke von 1.800 Metern Höhe – die höchste Wand der Ostalpen. Selbst jetzt, Mitte August, ist nicht aller Schnee in der gigantischen Bartholomäwand geschmolzen. An der zerfurchten, zerklüfteten und von zahlreichen Couloirs durchsetzten Flanke kann man sich gar nicht satt sehen.
Das Wetter ist beständig, am nächsten Tag dafür den Muskelkater da. Aber wozu gibt es E-Bikes? Wir leihen uns welche und fahren damit hinüber zur Wimbachklamm, südlich von Ramsau. Eine äußerst enge und faszinierende Schlucht, deren Gestein im Querschnitt einen Zeitraum von 50 Millionen Jahren zeigt, was man anhand der Versteinerungen in dem Schrund sogar sehen kann. In der Klamm ist es fast 15 Grad kühler als draußen in der prallen Sonne, ein toller Ort zum Verweilen. Ein bayrischer Wurstsalat in Berchtesgaden und die Besichtigung dieser herrlichen Stadt runden den Tag ab.

Saletalm und Eiskapelle
Ohne, dass wir es ahnen, wird der nächste Tag das Urlaubshighlight. Früh sind wir am Bootssteig und nehmen die erste Fähre gen Süden. Der Halt vor der Echowand und das Trompetenspiel: einzigartig, ein Moment, der Gänsehaut erzeugt. Über Bartholomä geht es weiter zum kleinen Obersee, der etwa einen Kilometer südlich des Königsees liegt. Es ist schon sehr heiß, als wir am westlichen Ufer um ihn herumwandern und dann eine Stunde weiter nach Süden, zum Röthbachfall, Deutschlands höchstem Wassersturz. Doch weil oben im Steinernen Meer kein Schnee mehr liegt, der schmelzen könnte, stürzt nur ein dünnes Rinnsal die 470 Meter herunter. Dennoch sehr beeindruckend. Wir gehen über die herrlich gelegenen Hütten der Fischunkelalm und der Saletalm, wo wir rasten, zurück. Von hier aus hat man definitiv den besten Blick auf die Watzmann-Ostwand, der Tag ist völlig klar bei etwa 30 Grad.

Während meine Begleitung beschießt, in Salet zu bleiben und einen Badenachtmittag einzulegen, nehme ich mir vor, nach Bartholomä zurückzufahren und von dort den einfachen Wanderweg zur Eiskapelle einzuschlagen. Das ist der Überrest einer gigantischen Lawine, die vor Ewigkeiten hier niedergegangen ist und der auch im Sommer nie komplett schmilzt. Doch wenn man am Vormittag bereits ein paar Kilometer in sengender Sonne gewandert ist, dann zieht sich der Weg. Hinter Bartholomä geht es zunächst ebenerdig bis zur einer kleinen Kapelle am Eisbach, dann führt der Weg steiler nach oben. Immer wieder fällt mein Blick in die näher rückende, unheimlich mächtige Watzmann-Ostwand, die durch die Baumkronen schimmert. Dann, nach einer guten Stunde, weicht der Wald zurück und die Wand steht in ihrer ganzen Monumentalität vor mir. Unwillkürlich sucht das Auge nach logischen Kletterlinien durch diese irrsinnig hohe Fluh, bleibt aber immer wieder an steinernen Barrieren und aberwitzigen Couloirs hängen. Zudem scheint der Fels zu Steinschlag zu neigen.

Tief im Berg drin
Der Pfad verliert sich jetzt im breiten Flussbett eines Schmelzbachs, der im August ausgetrocknet ist. Seit Bartholomä habe ich schon 250 Höhenmeter gemacht, die Ostwand wirkt sehr nah. Bis zur Eiskapelle sind es aber immer noch mehr als 30 Minuten. Dort angekommen stelle ich fest, dass es sehr kühl ist, die die Wand hinaufsteigende heiße Luft drückt die Kaltluft förmlich nach unten. Ein frostiger Hauch umgibt das Eisfeld, und der Rückweg in die Sonne und den Klosterbiergarten ist purer Genuss. Eine Radlermass rundet die Wanderung ab.

Der nächste Tag führt uns mit der Jennerbahn bis zur Mittelstation des gleichnamigen Bergs, von wo wir in drei Stunden bis zum Gipfel aufsteigen. Von dort: grandioses Panorama auf einen Teil des Königssees, und direkt gegenüber die Watzmann-Familie. Kühl ist es heute, Wolken drücken herein. Aber die Bergluft und die Aussicht entschädigen für alles. Warm eingepackt können wir am Abend draußen speisen und im Biergarten am See einkehren. Dass es am kommenden Tag regnet, ist nicht weiter schlimm, da wir sowieso geplant hatten, das Berchtesgadener Salzbergwerk zu besichtigen, in dem seit 1517 ununterbrochen Salz gewonnen wird. Die „SalzZeitReise“ führt mit einem kleinen Zug einige hundert Meter tief in den Berg hinein, nachdem wir in Bergmannoveralls gesteckt worden sind. Anschließend geht es zu Fuß durch das Innere des Bergs, es gibt Multimedia-Shows, Vorträge zur Abbaumethode und vieles mehr.

Zum Schluss etwas Ernstes
Der kommende Tag ist leider schon der letzte, für den Nachmittag ist Wetterbesserung angesagt, also fahren wir am Vormittag mit dem Bus zum Dokumentationszentrum Obersalzberg. Nach der Dauerausstellung geht es hinein in die von den Nationalsozialisten eingerichteten Bunker, in denen heute der Ermordung der jüdischen Menschen während des NS-Regimes gedacht wird. Ergreifender geht es kaum. Als wir hinaustreten, sind die Wolken der Sonne gewichen, es wirkt zunächst surreal nach der düsteren Stimmung zuvor. Nach einer bayrischen Brotzeit unter weiß-blauem Himmel fällt uns im Reiseführer der Wanderweg hinüber nach Maria Gern auf. Er führt östlich und oberhalb um Berchtesgaden herum mit phantastischer Sicht auf Watzmannfrau, Watzmannkinder und Watzmann-Hauptmassiv. Idyllisch liegen die Häuser und Gehöfte im Tal und schmiegen sich an die umliegenden Hänge, das Kirchlein scheint über das Dorf zu wachen.
Am letzten Abend sitzen wir am Nordwestufer des Königssees draußen vor dem „Echostüberl“, und just, als der Kellner eine Halbe serviert, reißt der Himmel noch mal auf und beschert uns ein Alpenglühen, das die Abschied vom Berchtesgadener Land nicht eben einfacher macht. Aber: wir werden wiederkommen in dieses alpine bayrische Juwel voller Gastlichkeit, das steht fest!

Autor: Holger Küppers




Foto: privat

Holger Küppers
Entbunden im Mai 1975 im württembergischen Böblingen, blieb Holger Küppers seiner Heimatstadt danach noch 20 Jahre treu und baute hier das Abitur. Nach dem obligatorischen Staatsdienst, in diesem Fall dem Zivildienst, zog er 1995 ins fränkische Bamberg, wo er sich für das Studium der Geschichte einschrieb, das er 2002 schließlich in Berlin vollendete, wohin er 2000 umsiedelte. Noch in Böblingen arbeitete er als 17-Jähriger als Praktikant und später als freier Mitarbeiter für die dortige Lokalzeitung. [lesen Sie hier weiter]





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