Oldtimerbahnhof Löffingen-Unadingen im Südschwarzwald: Birgit und Hermann Pasch im Mercedes 190SL von 1961. Foto: Helgard Below

OldtimebahnhofLöffingen-Unadingen. Foto: Helgard Below

Gästezimmer im OldtimebahnhofLöffingen-Unadingen. Foto: Helgard Below

OldtimebahnhofLöffingen-Unadingen. Foto: Helgard Below

Lotenbachklamm im NSG Wutachschlucht im Südschwarzwald. Foto: Helgard Below

NSG Wutachschlucht. Foto: Helgard Below

Autorin Helgard Below in der Lotenbachklamm im NSG Wutachschlucht. Foto: Helgard Below

Lotenbachklamm im NSG Wutachschlucht. Foto: Helgard Below

Frühstückssaal im alten Wartesaal des Oldtimerbahnhofs Löffingen-Unadingen. Foto: Helgard Below

Wegweiser Unadingen. Foto: Helgard Below


Schwarzwaldbahnhof
Inh. Fam. Pasch
Eisenbahnweg 1
79843 Löffingen-Unadingen

www.schwarzwaldbahnhof.de



FineArtReisen® Artikel Nr. 187700 vom 25.11.2016


Der Himmel für Wanderer, Eisenbahn- und Oldtimerfans

Bei ausländischen Touristen ist der Schwarzwald ein Renner. Ein Viertel aller Gäste stammt aus dem Ausland, mit steigender Tendenz. Nicht nur Schweizer und Holländer kommen in Scharen, sondern zunehmend Chinesen und Araber aus den Golfstaaten. Was zieht sie in die deutsche Provinz statt in die Hauptstadt? Sie lieben das Klischee: intakte Natur, sattgrüne Landschaften, Bollenhut und Kuckucksuhr, in die ganze Welt getragen durch Heimatfilme und die „Schwarzwaldklinik“. Gerade das, was den Deutschen angestaubt erscheint. Zu Unrecht! Autorin Helgard Below begibt sich auf Spurensuche in Baden-Württemberg und entdeckt Wanderwege und eine ungewöhnliche Unterkunft in spektakulären Landschaften.

Ich bin eine norddeutsche Pflanze, in Hamburg aufgewachsen und an Strand und Meer sozialisiert. Seit meiner Kindheit allerdings, seitdem ich im Reihenhaus meines reisefreudigen Großvaters auf dem alten Sofa saß, staunend auf die Kuckucksuhr starrte und auf das Vögelchen wartete, spüre ich eine Sehnsucht nach dem urwüchsigen Schwarzwald. Wanderungen mit meinen Eltern durch düstere Fichtenforste mit ein paar Fliegenpilzen in den Harburger Bergen südlich von Hamburg, die eigentlich eiszeitliche Endmoränenhügel sind, schürten meine Phantasie.

Erstmals in meinem Leben gehe ich diesem Sehnen nach und erkunde überraschende Wanderwege in den Wäldern und Schluchten Baden-Württembergs. Und ein zauberhaftes Bed&Breakfast, denn diese gibt es nicht nur in England, sondern auch im Süden der deutschen Republik. Geführt von einer tollen Frau mit innovativen Ideen und spannenden Geschichten, Geschichten von umgebauten Bahnhöfen und Oldtimer-Träumen.

Denn bei Birgit Pasch haben Eisenbahnen und Oldtimer Vorfahrt. „Wenn mir vor 15 Jahren jemand gesagt hätte, dass ich mal auf einem Bahnhof im Schwarzwald lande, ich hätte es nicht geglaubt“, sagt sie lachend, "aber jetzt will ich nie wieder weg!" Ihr Mann Hermann hatte von einem Kollegen gehört, dass die Deutsche Bahn Bahnhöfe verkauft und war auf die Suche gegangen. Sie war zunächst skeptisch, aber vor einigen Jahren haben sie gemeinsam ihr Haus und die Autolackiererei im Ruhrgebiet verkauft und den denkmalgeschützten Unadinger Jugendstilbahnhof von 1902 gekauft und in mühsamer Kleinarbeit originalgetreu restauriert. Überall ist ihre Vintage-Liebe zu spüren. Kurbel-Telefon, alte Zugführer-Uniformen, Jugendstil-Lampen, Modell-Eisenbahnen und Autos: Der Wartesaal wurde zum historischen Frühstückssaal mit Blick auf die Gleise, wo zwei mal stündlich Züge auf der sogenannten Höllentalbahn zwischen Donaueschingen und Freiburg vorbeizischen. Wenn beim liebevoll zusammengestellten Frühstück mit Obstsalat, Müsli und frischen Brötchen eine der seltenen Dampfloks vorbeischnauft, vibriert der Holzdielenboden und man fühlt sich wie im Filmset von „Mord im Orient-Express“.

Nur noch vier Mal täglich hält ein Zug an Birgit und Hermann Paschs kleiner Station Unadingen. Dann können ihre Gäste mit der Konus-Gästekarte sogar kostenfrei direkt bis nach Freiburg und zurück fahren. Mit dieser im Übernachtungspreis enthaltenen Bonuskarte können sie aber auch alle anderen Nahverkehrsmittel des Schwarzwalds nutzen, zum Beispiel den Bus zum nächsten Wanderparkplatz. Nur die unweit gelegene Sauschwänzlebahn kostet extra. Sie ist benannt nach den vielen Serpentinen und Kurven, die an ein geringeltes Schweineschwänzchen erinnern. Die Strecke dieser mit Dampflok und historischen Waggons befahrenen Museumsbahn führt durch sechs Tunnel und über fünf große Viadukte. Am Bahnhof Blumberg-Zollhaus gibt es sogar ein Museum und einen Lehrpfad zum Thema.

Nach den Tagesausflügen steige ich müde und voller Eindrücke hinauf ins Obergeschoss. Denn die frühere Wohnung des Bahnhofsvorstehers verwandelten Birgit und Hermann Pasch in schicke, individuelle Zimmer mit Stuck, Ventilatoren, Bakelitschaltern und Lampen der Jahrhundertwende. Sie tragen Namen wie "Rheingold" (benannt nach einem Zug der Deutschen Reichsbahn) oder "Lummerland" (nach dem Buch "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" von Michael Ende). Wunderbar für eine erholsame Nacht vor dem nächsten Abenteuer. Eisenbahnfans wählen die den Schienen zugewandten Zimmer und beobachten schon früh morgens das Ein- und Ausfahren jedes Zuges. Ich lieber den Orts- und Oldtimerblick. Denn im Güterschuppen nebenan repariert das Paar Autos aus den 1960ern und 70ern, alte VWs, Volvos und Mercedes-Cabrios und manche davon parken vor dem Backsteingebäude. Ein besonderes Schmuckstück ist der weiße Mercedes 190SL von 1961. Für Rallyes mit den Gästen durch liebliche Schwarzwaldtäler, über windige Höhen und durch weite Felder oder zum nahen Bodensee.

Ganz in der Nähe tauche ich endlich ein in den finsteren Tann des Schwarzwalds. Meine Wanderschuhe federn über Polster aus Fichtennadeln. Es riecht harzig, ein paar Sonnenstrahlen durchdringen den dichten Nadelwald. Blaubeeren und Walderdbeeren laden zum Naschen ein. Genau so habe ich mir den Märchen-Urwald in meinen Kinderträumen vorgestellt. Atem und Geist werden ruhig: wunderbar entspannend! Doch es kommt noch besser. Zwischen hohen, schnurgeraden Fichtenstämmen verbirgt sich eine landschaftliche Überraschung: die canyonartige Wutachschlucht, 33 Kilometer lang und tief in den Muschelkalk gegraben von einem ungebändigten Wildfluss, der Wutach. Sie ist extrem reich an Pflanzenarten, Vögeln und Schmetterlingen und eines der ältesten Naturschutzgebiete Baden-Württembergs.

Rotkehlchen und Meisen jubilieren. Tief sauge ich die feuchte Auenluft in meine Großstadtlunge, stapfe unter den Klippen am Ufer entlang und kraxele über knarrende Holzstege in die atemberaubende Lotenbachklamm. Eine Felskluft, so eng, hoch und schmal wie jene in den Alpen. Wasserfälle rieseln wie funkelnde Schleier über senkrechte grüne Moos- und Farnwände, andere schäumen viele Meter in die Tiefe. Die Atmosphäre ist so zauberhaft, dass ich mich über den Besuch einer Fee nicht wundern würde. Doch so weit holt mich die Kindheit dann doch nicht ein. Danach, bei einer deftigen Stärkung auf der Terrasse des urigen Restaurants "Schattenmühle", bedient mich Peggy - im Dirndl und mit roten Bommeln auf dem Hut. Meine Schwarzwaldsehnsucht ist gestillt!

Autorin: Helgard Below




Helgard Below
Helgard Below, geboren 1968 in Hamburg, arbeitet als Reise- und Gartenjournalistin und Fotoredakteurin. Nach dem Studium der Kulturwissenschaften mit den Schwerpunkten Ökologie und Geographie in Lüneburg ist sie wieder in ihre Heimatstadt zurückgekehrt, doch zieht es sie jedes Jahr mehrmals in die Ferne. Sie liebt Reisen und Abenteuer an den exotischen Zielen dieser Erde, speziell in Australien, Südostasien, der arabischen Welt, der Karibik und Afrika. In Europa hat sie sich vor allem auf Frankreich und Spanien spezialisiert, lässt sich aber auch gerne der deutschen Küste, irischen Gärten oder dänische Inseln überraschen und verzaubern. Als studierte Kulturwissenschaftlerin ist das Eintauchen in die Kultur der Einheimischen und in die Natur anderer Länder ihre Spezialität. Auf all ihren Ausflügen wird sie von mindestens einem Fotoapparat begleitet. Schon als Kind drückte ihr ihr Vater im Urlaub seine Spiegelreflexkamera in die Hand. Seitdem ist das Reisen für sie untrennbar mit dem Fotografieren verbunden. [lesen Sie hier weiter]





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