Elektromechanische Rotor-Chiffriermaschine - ENIGMA M4, 1942, Heimsoeth & Rinke, Berlin. Mit vier Walzen und einem Steckerbrett galt die marine Version der Enigma als besonders sicher. Kryptologen auf deutscher Seite wussten, dass eine Entschlüsselung nur mit enormem Aufwand möglich wäre. Was sie aber nicht wussten: Im britischen Bletchley Park wurde genau dieser Aufwand mit fast 9000 Beschäftigten erfolgreich betrieben. Bildquelle:: Deutsches Museum

Mechanische Chiffriermaschine Kryha Standard um 1924, Alexander von Kryha, Berlin. Das edle Design verbirgt einen simplen Verschlüsselungsalgorithmus: Der Erfinder Alexander von Kryha überschätzte seine kryptologischen Fähigkeiten. Durch geschicktes Marketing wurde seine Chiffriermaschine dennoch bekannt. Im Inneren befindet sich ein interessanter Federmechanismus, der sich wie ein Uhrwerk aufziehen lässt. Bildquelle: Deutsches Museum

Keyboard B-62, 1954, Rudolf Hell, Kiel, nach Boris Hagelins Patent der CX-52. Das elektrisch betriebene Keyboard B-62 erleichterte die Bedienung und verbesserte den Verschlüsselungsalgorithmus durch ein zusätzliches Steckerbrett. Bildquelle: Deutsches Museum

FineArtReisen® Artikel Nr. 198030 vom 12.05.2017
Quelle: Museum - Deutsches Museum München

Geheime Schätze im Deutschen Museum

Spätestens seit dem Film „The Imitation Game“ ist die Chiffrier-Maschine weltberühmt: die „Enigma“, mit der das deutsche Militär während des Zweiten Weltkriegs seine Nachrichten verschlüsselte. Eine der seltensten und wertvollsten Enigmas ist das Herzstück der einmaligen Kryptografie-Sammlung von Dr. h. c. Klaus-Peter Timmann, die jetzt an das Deutsche Museum übergeben wird.

Es ist eine „Enigma M4“ – eine Marine-Chiffriermaschine, die auf den deutschen U-Booten im Einsatz war. Lediglich rund 150 Exemplare überlebten den Zweiten Weltkrieg, nur eine Handvoll befindet sich weltweit in Museen. Als 2015 eine solche Maschine in New York versteigert wurde, zahlte ein Privatsammler dafür 365 000 US-Dollar. Ein Exemplar dieser seltenen Chiffriermaschinen ist Teil der beeindruckenden Privatsammlung von Dr. h. c. Klaus-Peter Timmann (1940 – 2002), die jetzt ihren Weg ins Deutsche Museum gefunden hat. Sie besteht aus Kryptografie-Maschinen unterschiedlichster Herkunft – zum Teil mit einem „unknackbaren“ Code. Außerdem dabei: das erste gedruckte Kryptografie-Buch überhaupt von 1564, ein Kryptografie-Telefon russischer Herkunft - das angeblich Erich Honecker selbst benutzt hat - und Verschlüsselungs-Geräte von Timmanns Firma TST. Darunter ist auch ein Spionagekoffer, der auch aus einem James-Bond-Film stammen könnte.

Wolfgang M. Heckl, Generaldirektor des Deutschen Museums, freut sich sehr über den prominenten Zuwachs für das Deutsche Museum. „Das ist eine beeindruckende Sammlung. Sie wird unsere künftige Dauerausstellung ,Bild – Schrift – Codes‘ erheblich bereichern. Und die Schenkung zeigt beispielhaft, warum Stifter mit großen, bedeutenden Sammlungen auf das Deutsche Museum zugehen. Weil wir diese Sammlungen für die Nachwelt bewahren und für die Öffentlichkeit sichtbar machen.“ Kuratorin Carola Dahlke ergänzt: „Die Sammlung ist deshalb so bedeutend, weil sie Meilensteine der Kryptografie-Geschichte enthält, die in der Sammlung des Deutschen Museums bisher fehlten - also eine wunderbare Ergänzung für unsere neugeplante Ausstellung und für technikgeschichtliche Forschungsarbeiten. Viele wichtige Objekte und Bücher sind vorhanden und zum großen Teil sehr gut erhalten.“

Marion Winkelbauer, die Witwe des Sammlers Timmann, hat sich dafür eingesetzt, dass das Deutsche Museum die Sammlung bekommt. Sie sagt: „Wir wollten verhindern, dass die Sammlung meines Mannes auseinandergerissen wird. Das hätte ich meinem Mann auch nach seinem Tod nicht antun dürfen - er war ja selbst so stolz auf die Sammlung. Und wir wollten, dass sich auch künftige Generationen von Forschern und Studenten die Objekte noch anschauen können. Deshalb haben wir uns für das Deutsche Museum entschieden.“

Schon früher hat es ausgezeichnete Kontakte zwischen Timmann und dem Deutschen Museum gegeben. Professor Friedrich L. Bauer, selbst Kryptologe und Vater der ersten Informatik-Ausstellung des Deutschen Museums, hatte immer wieder Exkursionen mit Besuchern zu Timmanns Haus in Pöcking unternommen. „Weil es bei uns halt mehr zu diesem Thema zu sehen gab als im Deutschen Museum“, lächelt Marion Winkelbauer.

Besonders gern erzählt sie über die Exponate, die von der Firma ihres früheren Mannes stammen. „Der Spionage-Koffer ist von außen ein ganz normaler Samsonite-Koffer, der an einem Flughafen nie aufgefallen wäre – aber er hat ein beeindruckendes Innenleben. Und das zugehörige Verschlüsselungs- und Übermittlungsgerät passt in ein schwarz-ledernes Zigaretten-Etui. Ich habe es selbst ausprobiert. Ich habe meinem Mann, der sich damals gerade im Frankfurter Raum befand, von der Telefonzelle in Possenhofen eine verschlüsselte Botschaft geschickt. Ich kann mich sogar noch an den Wortlaut erinnern: ,Es war heute wenig Wind am See.‘ Und die Botschaft kam an.“

Die Geräte funktionierten über einen Akustik-Koppler. So berichtet Marion Winkelbauer, wie ihr Mann ein Gerät, das in Afrika Dienst tat, per Fernwartung wieder zum Laufen brachte: „Er hatte die Programmierung auf ein Tonband übertragen, und schickte sie per Telefon auf das Chiffriergerät – das dann prompt wieder funktionierte.“ Das war Anfang der 1980er Jahre – als so etwas wie eine Fernwartung für Computer noch kaum vorstellbar war.

Timmann war ein leidenschaftlicher Erfinder. „Unsere Hochzeitsreise führte nach Hamburg, weil er einen Drehzahlmesser ausprobieren musste, den er entwickelt hatte und verkaufen wollte“, erzählt Marion Winkelbauer. Später verkaufte er Funkgeräte für einen bekannten Mobilfunk-Konzern. Als die Kunden zu der Funktechnik auch eine Verschlüsselung der Inhalte wünschten, begann er an entsprechenden Techniken zu arbeiten und eigene Geräte anzubieten. „Erst hat er am Esszimmertisch gearbeitet“, erinnert sich Marion Winkelbauer. „Danach musste der Heizöltank aus dem Keller weichen, um mehr Platz für seine Erfindungen zu schaffen.“

Ab 1970 produzierte die Firma Verschlüsselungsgeräte. Die Hälfte des Jahres war Timmann irgendwo auf der Welt unterwegs, um seine Geräte zu verkaufen. Und er bediente sich dabei schlagkräftiger Argumente: Als er einmal im Ausland gefragt wurde, wie robust seine Geräte denn seien, schleuderte er eins davon quer durch den Raum. Und als es danach immer noch funktionierte, war der potenzielle Käufer überzeugt.

Wer die Kunden ihres Mannes waren, verrät Marion Winkelbauer nicht. „Darüber spricht man in dieser Branche nicht.“ Und daran hält sie sich, obwohl die Firma nach dem Tod Timmanns verkauft wurde und heute nicht mehr besteht. Sie verrät nur so viel: „Die Maschinen kamen beim Auswärtigen Amt, beim Militär, bei Geheimdiensten und Firmen weltweit zum Einsatz.“

Der Rest ist geheim.



Weitere Informationen: www.deutsches-museum.de




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